Posts from the “2 cents” Category

Easy Listening

Ich kann wieder Radio hören. Das ist ein mittelgroßes Wunder. Ich erinnere mich noch an Zeiten, und ich rede nicht davon, dass ich noch in die Schule ging und mir deutschen Untergrundrap reingezogen habe; (das hier z.B.) Musik, von der ich unmöglich erwarten konnte, dass sie je-mals im Radio gespielt werden würde. Ich war Untergrund und dementsprechend weit davon entfernt,  David Guetta zu hören. Gerade eben habe ich mir eine Folge von Gossip Girl angeschaut und mir von Shazam währenddessen zwei Lieder erkennen lassen. Read more

Frictionless Sharing ist Bullshit

Seit knapp zwei-drei Monaten ploppen bei mir jetzt im Facebook-Stream Meldungen à la “Person XYZ hat diesen Artikel gelesen” auf. Das war damals die Haupterneuerung, verkündet auf der fB-Konferenz. Das und die Timeline. Anyway, nach drei Monaten fällt mir auf, was ich nach dem ersten “Interessant”-Moment von Anfang wusste quasi. Siehe Überschrift. Read more

Stream-Artikel

Seit geraumer Zeit merke ich, dass ich frühmorgens am Briefkasten vorbeigehe und die Tageszeitung einfach im Schlitz liegen lasse. Vergesst ganz kurz diesen Rattenschwanz an Assoziationen, den so ein Satz mit sich bringt, denn für mein Argument spielt das Medium an sich keine Rolle. Ob Zeitung oder Text im Internet auf der Onlineseite derselben Zeitung ist im Grunde egal, mich stört die Form: Mich stört der Artikel an sich. Read more

Sie müssen mich beschützen

Mir haben sie erzählt, dass Israel den Holocaust erfunden hat und Adolf Hitler eigentlich ein Held sei und in Argentinien lebe. Mir haben sie erzählt, dass der elfte September ein Inside Job ist und die Regierungen alles daran setzen, um den Bürger darüber in Unkenntnis zu halten. Mir haben Leute, auf deren Urteil ich damals viel Wert legte, erzählt, dass die Kurden zu verachten sind und die Türkei sich schon zu wehren wüsste, aber da die restliche Welt uns Türken hasse, insbesondere die Briten, aber auch die Araber, könne man nicht so, wie man wolle. Aber Öcalan müsse sterben. Ich zog damals los, einmal quer durch das Internet, und diskutierte dort mit anderen Leuten über meine Theorien. Nicht über Hitler, dafür besonders viel über Israel und Palästina.  Read more

Hypothes.is

Vor recht langer Zeit habe ich einen Freund gefragt, ob er mir für WordPress ein Plugin bauen kann. Mir ging es darum, dass ich die Kommentarfunktion beschissen finde, so wie sie jetzt ist. Ganz unten, komplett lieblos als Anhängsel, das man nicht wirklich ernst nehmen kann. Das Kommentarsystem ist die große Achillesverse des Versuchs, online eine Community zu bilden. Wer von euch viel in Foren hing, weiß wie nervtötend es war, dass man die Beiträge der anderen immer in Teilzitate aufsprengen musste. Anscheinend soll es dafür jetzt eine Lösung geben. Read more

Quote.fm – Betaphase

Vermutlich bleibt dieses Blog für immer hässlich, aber das ist nur eine Randnotiz. Ich bin also seit keine Ahnung wie lange bei Quote.fm. Und da ich am Anfang den Mund recht voll genommen und gesagt habe, dass es schwer schwer werden könnte – aus Gründen, die man hier nachlesen kann – schreibe ich eine kurze Zwischenbetrachtung.  Read more

“You have no subscriptions”

Ich habe alle meine Abonnements gelöscht. Insgesamt waren es 450; darunter Blogs, die pro Woche einen Artikel haben, aber auch Nachrichtenseiten, die auf ca. 200 in der Woche kommen und ebenfalls Aggregatoren, von denen der tüchtigste an die 180 Artikel pro Tag rausballert. Jetzt ist alles gekündigt, auch die guten Seiten. Und nein, ich fühle mich nicht “freier” und “genieße” jetzt die “Stille”. Das ist auch kein Experiment, ich schreibe kein Buch mit dem Titel “Nachrichten finden mich” – ich glaube nur, dass ich mich neu organisieren muss, das ist schon alles. Read more

Vorabanalyse zu Quote.fm

Nichts ist einfacher als harsche Kritik. Sich einfach zurücklehnen und aus seinem Sessel heraus gemütlich über andere zu urteilen. Wie dumm sie sind, was sie nicht verstehen, was sie nicht bedacht haben, dass man selbst das alles besser umsetzen würde und generell sind alle anderen intellektuell nicht in meiner Reichweite. Das ist die Seite der Arschlöcher, Besserwisser, Wutbürger, die ihr eigenes Nichtstun durch Aggression gegen unbekannte Dritte richten. Kritik an sich ist aber geil. Weil man falsch liegen kann, weil man schon recht bald erfährt, ob man Phänomene/Sachen/Dinge etc. gut einschätzte und weil sie – wenn man den Ton trifft – auch interessante Ansätze liefern kann. In diesem Sinne will ich kurz darlegen, warum ich glaube, dass Quote.fm vor erheblichen Problemen stehen wird, wenn es am Sonntag mit der Beta losgeht. Read more

Die Webseite der New York Times – in hübsch

Momentan sitz ich ja an einem Redesign des Blogs hier. Ich hatte mehrere Entwürfe, fand allesamt saugeil, unfassbar gut und hab meine Ideen dann Typographen und Webdesignern gezeigt – kurz darauf saß ich wieder an einem neuen Layout. Will sagen: Es gehört dazu, vieles nicht zu können, solange man anderen Leuten zuhören kann und deren Kritik nicht als Dolchstoß empfindet. Und trotz all meines Nicht-Wissens bin ich mir in einer Sache sehr sicher: Die Hauptseite der New York Times ist unfassbar schlecht. Gut, dass man mir Recht gibt.

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Lieber Google als Deutschland

“Dann müsstest Du die FDP wählen”, das waren seine exakten Worte. Ich weiß nicht, wie das für euch ist, aber das war auf jeden Fall als Diss gemeint. Wir diskutierten darüber, wem ich im Extremfall eher meine Daten anvertrauen würde, dem Staat oder einem Unternehmen. Ich entschied mich für die Unternehmen und damit auch für die “unsichtbare Hand” von Adam Smith, also dafür, dass der Markt und sein System von Angebot und Nachfrage mehr bewirken können als der Staat, gerade was Daten angeht – und das ist straight liberalistisch. Aber es gibt auch keinen Staat, den man ernst nehmen könnte, als Regulator oder sonst was.

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Google+-Balken

So sieht der schwarze Balken bei Google+ aus. Anscheinend gehöre ich zu den Menschen, die ihn schon seit gestern sehen können. Bei Wired und sonst überall steht, dass das Ding noch nicht wirklich flächendeckend eingesetzt wurde. Oder auch nicht, was weiß denn ich. Auf alle Fälle ist der Wandel sehr locker über die Bühne gegangen.

Edit: Einen ersten ausführlichen Test von Google+ gibt es bei der Rhein-Zeitung.

Der Online-Journalist, sorry, Werbetexter

Ich hab diesen Artikel lange vor mir hergeschoben: Weil es für mich so offensichtlich gewesen ist, ich dachte, jeder außer mir sieht das genauso, warum also sollte ich darüber bloggen. Aber seitdem der Kolumnist Gene Weingarten in der Washington Post darauf beharrte, dass man als Journalist keine “Marke” ist und in Amerika diese These nun intensiv debattiert wird (der Kontext über Storify), hier meine Sicht: Read more

Nico Rosberg und die Journalisten

Zum ersten Mal ist mir der Satz im Facebook-Stream begegnet: ein Freund von mir, der recht aktiv ist in Sachen Sportjournalismus hat ein Zitat von Nico Rosberg gepostet: “You also watch the Paralympics – people who are not able to put in great performances, but it is still exciting if they are facing each other”. Ein typisches Arschloch, dachte ich mir. Die Zeitungen waren sofort dabei: “Rosberg vergleicht Frauenfußball mit Paralympics” usw. Die Empörungsmaschinerie lief auf Hochtouren. Gestern nahm Rosberg Stellung zu den Schlagzeilen. Read more

Jon Stewart und 1899

Vielleicht habe ich das mit dem Suchen noch nicht so wirklich raus, aber mich verwundert es gerade doch sehr stark, dass in Deutschland den deutschsprachigen Blogs – bis auf den Politblogger – niemand Notiz davon nahm, dass Jon Stewart zu Gast bei Fox News gewesen ist. Aber weil der Artikel beim Politblogger unvollständig ist, spring ich mal in die Bresche. Read more

Feedly

Wenn ich einen Tag lang nicht dazu komme, in meinen Google Reader zu gucken, endet das meist damit, dass ich 1000+ Beiträge per “Alle als gelesen markiere” ausblende. Das liegt nicht unbedingt daran, dass das Lesen der Beiträge zu viel Zeit erfordert, sondern daran, dass die Usability von Google Reader  recht dürftig ist. Seit ich Feedly nutze, gibt es keine Probleme mehr. Holt euch das. Und zwar aus folgenden Gründen: Read more

Gerne umsonst, ansonsten ich

Ich bin ein bequemer Mensch: Bequem nicht im Sinne von faul, sondern im Sinne von, wenn es mir einleuchtet, gehe ich gerne einen “Nachteil” ein. Beispiel: Ich finde nicht, dass eine Einzelfahrt mit der S-Bahn in die Innenstadt von München 2 Euro 50 Cent wert ist. Ich finde nicht, dass die MVV München ein gutes Unternehmen ist, sondern dass sich deren Kontrolle aufführen wie eine Ersatzpolizei – und ich würde gerne sagen, es sei nur ein Klischee, das ist es aber nicht. Ich habe ein paar Kontrolleure bei der Arbeit begleitet, sie sind wirklich alles außer kundenorientiert. Trotzdem löse ich das Ticket. Read more

Rivva

Rivva ist zurück. Für mich persönlich sehr wichtig und zwar aus einem simplen Grund: Innovation setzt sich durch, auch in Deutschland, zwischen all den gesperrten Youtube-Videos und Verlagsklagen (wie z.B. gegen Commentarist) gibt es auch Unternehmen, die gute Technik und eine kreative Idee supporten. Schön.

Das Fusion-Festival – Willkommen im Staat

Ursprünglich wollte ich mich aufregen, ein wenig in die Tasten hauen, aber scheiß drauf, man sollte das alles gelassener sehen, also hier, nüchtern analysiert: Das Fusion-Festival will keine Graffitis mehr sehen. Warum das so ist, könnt ihr da oben ja selber nachlesen. Warum das so beschissen ist? Hier, Gründe: Read more

Die kuratierte Masse

Es gibt zwei Binsenweisheiten, die beide zwar zutreffen, wenn man sie isoliert betrachtet, aber im Prinzip schließen sie sich aus. Erstens: Vier Augen sehen mehr als zwei.  Zweitens: Qualität schlägt Quantität. Crowdsourcing ist Variante eins. Irgendwelche mir unbekannte Menschen arbeiten zusammen an einem Thema und versuchen, eine Lösung zu finden. So wie man das vom GuttenPlag kennt. Variante Zwei ist Twitter. Das macht nur dann Spaß, wenn die Leute, denen ich folge, auch für Qualität sorgen, wobei Qualität keinem objektiven Standard genügen muss, sondern nur dem, was ich für mich als qualitativ ansehe. Gemeinsam geht das nicht. Stimmt zwar, aber nicht mehr lang. Read more

Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

Und – die viel wichtigere Frage – wann wird man abgelehnt? Vorneweg: Ich habe mich insgesamt dreimal beworben, davon gingen zwei Bewerbungen an die Deutsche Journalistenschule und eine an die Henri-Nannen. Die Bilanz ist, dass ich bei der Henri-Nannen im ersten Verfahren abgelehnt wurde, bei der DJS letztes Jahr zum Test eingeladen und dann abgelehnt und jetzt, seit gestern, angenommen wurde. Ich kann also ein wenig was dazu erklären. Und übrigens: Weiter unten findet ihr meine diesjährige Bewerbungs-Reportage für die DJS.

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Introducing: Dossier

Ohne großes Tamtam: Wir, ChrisHannah und ich, haben etwas entwickelt; noch hat es keinen Namen, bloß den Arbeitstitel “Dossier”. Vorne weg, um allem vorzubeugen: Die Grafiken sind als visuelles Beiwerk gedacht. Kommentare zum Design sind nicht notwendig, da es noch keines gibt. Read more

Lauf- und Kaufkundschaft

Ursprünglich sollte das nur ein Kommentar zu diesem Artikel vom Gurkenkaiser werden – wurde aber länger, darum stelle ich das hier in den Blog. Worum geht’s? Der Gurkenkaiser macht die Beobachtung, dass die Essensmöglichkeiten in einem Einkaufszentrum nur eine Funktion erfüllen: Sie dienen als Energielieferanten, das Essen wird dem Shoppen untergeordnet, dasselbe gilt für die Architektonik. Nicht verweilen, sondern eilen, von Geschäft zu Geschäft zum Geldausgeben. Read more

Staatsbürgerschaft aufgeben?

Ich könnte nicht, selbst wenn ich wollte – mich einfach in ein Flugzeug nach London zu setzen ist mir nicht vergönnt, denn ich habe zwar einen Pass, aber auf dem prangt kein goldener Adler, sondern ein goldener Stern. Es ist der Pass der Türkei, er verunmöglicht mir vieles und kostet mich jede Menge: Nerven, Zeit und vor allem Geld. Einfach nach London fliegen ist nicht, dafür fehlt ein gültiges Visum. Als Deutscher bucht man seinen Flug und dann wird man am Flughafen durchgewunken. Als Türke geht man zur britischen Botschaft, erfährt, dass man online einen Termin vereinbaren muss, macht genau das und kommt zurück, nur um zu merken, dass man nicht per ec-Karte zahlen kann und wird erneut weggeschickt, darf aber nicht wiederkommen, weil da ein neuer Online-Termin vereinbart werden muss, um im dritten Anlauf zu erfahren, dass man knapp 100 Euro zahlt und in zwei Wochen eine Zu- oder Absage erhält, um dann am Flughafen kritisch beäugt zu werden und beim Rückflug einem deutschen Polizisten erklären zu müssen, dass man seit knapp 27 Jahren in München lebe und er bitte aufhören soll, einen noch länger aufzuhalten.

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Journalistenschulen

Ich will Journalismus studieren. Ein gutes Jahr lang war ich mir sicher, dass ich dafür auf eine Schule gehe – am besten wären natürlich die drei großen, die Deutsche Journalistenschule in München, die Henri-Nannen in Hamburg oder die Axel Springer-Akademie hier in Berlin. Ein Volontariat kam für mich nicht wirklich in Frage, aber Stück für Stück ändert sich das und zwar aus einem Grund, der so banal wie erschreckend ist. Als angehender Journalist ist man – das ist (m)eine These – bei Verlagen besser aufgehoben, denn  die Journalistenschulen bieten mir womöglich nicht das, was ich mir von einer Ausbildung in Sachen Online-Journalismus erwarten würde.  Read more

Öffentlichkeit, ja – aber mit Rückzugsräumen

Ich hatte Angst davor, dass die Polizei meine Tür einrennt, weil ich mit Linksautonomen sympathisierte. Ich hatte Angst, dass die Nazis mir Briefbomben schicken, weil es nicht mehr schwer wäre, herauszufinden, wo ich wohne. Ich hatte Angst, dass die Leute mich auf der Straße erkennen und in Smalltalks verwickeln würden. Ich wusste, wie das war, wenn Unbekannte Dich ansprechen, Dich kennen und das ihnen scheinbar ein automatisches Recht gibt, mir einen Smalltalk aufzudrängen. Nichts gegen Smalltalks, es ist der Zwang, der von dieser selbstgefälligen Erwartungshaltung ausging; er machte mir Angst. Aus all diesen Gründen hielt ich an der Anonymität fest. Doch das Konzept verbleicht – und je länger ich auf der re:publica bin, desto schneller verflüchtigt sich der Wunsch nach Anonymität, auch wenn eine Restpanik bleibt.

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Memolane

Noch spielt das Archiv in sozialen Netzwerken keine Rolle, noch geht es verstärkt um den Stream, den simplen Fluss an Informationen. Facebook ist auf Kommunikation ausgerichtet, Twitter auf Aktualität. Das ändert sich langsam, App für App , nicht umsonst wollte Facebook Twitter kaufen, man sieht, dass sich die Kernkompetenzen verschieben. Denn im Prinzip will man sein soziales Netzwerk haben wie ein Haus. Viele kleine Zimmer, aber am besten unter einem Dach. Genau hier setzt auch Memolane an. Read more

80% Teeniefilme

Soeben habe ich auf “Look, Listen and Like” eine Infografik verlinkt. Ein kurzer Fact-Check reicht, um die Tendenz zu bestätigen: Sechs der Top 10 Filme des Jahres 2010 sind animiert (Toy Story 3, Alice im Wunderland, Shrek, der Drachenfilm, Tangled und Despicable Me). Das sind gleichzeitig auch sechs Kinderfilme. Zählt man Harry Potter und Twilight auch noch zu dieser Zielgruppe – sagen wir Teeniefilm – dann sind wir bei satten 80 Prozent. Ich hab mir mal die angeschaut, wie stark Kinder/Teeniefilme in den Top10 vertreten sind, als Quelle gilt immer Box Office Mojo: Read more

Erst türkisch, dann deutsch.

Der türkische Premier Erdoğan im Rahmen der CeBit eine Rede gehalten, in der er die türkischen Kinder dazu aufgefordert hat, erst türkisch und anschließend deutsch zu lernen. Die “Welt” konterte, in dem sie in ihrem Artikel ausschließlich konservative und liberale Politiker  zu Wort kommen lässt. Menschen wie Alexander Dobrindt behaupten, Erdoğan habe mit diesen Aussagen die Integrationsbemühungen “um Jahre zurückgeworfen”. Das ist jener Dobrindt, der vor einem halben Jahr davor warnte, dass die bald Minaretten in deutschen Gärten stehen werden. Jener Dobrindt, der sich dafür aussprach, Zuwanderung aus bestimmten (also muslimischen) Kulturkreisen zu beenden. Beide Forderungen sind Unsinn, wobei man Erdoğans Position wenigstens nachvollziehen kann, da sie sich nicht großartig von seiner letzten Rede unterscheidet. Dobrindt hingegen ist das Gegenteil von “Integrationsbemühungen”. Read more

Zeitfenster

Der Text aus dem Bild wurde Mitte Oktober geschrieben und ist das Fazit meines Exposés für die Doktorarbeit, an der ich gerade sitze. Heute ist mir während einer Diskussion aufgefallen, wie man die These weiterdenken könnte. Wenn ich mit der Einschätzung richtig liege, dass ein Medium gleichzeitig das Verhältnis an sich widerspiegelt – der Massenstreik also ein Zeichen davon ist, wie abhängig die Masse von der Gewerkschaft ist – dann heißt es auch, dass es einen Punkt geben muss, an dem sich dieses Verhältnis ergeben hat. Oder: Es gibt ein Zeitfenster des Umbruchs, in dem neu entstandene Medientypen nicht in einen Kontext eingebunden sind, weil noch keiner ahnen kann, was für Möglichkeiten bereitstehen. Read more

Das Ereignis killt den Führer.

Es gibt keine Gesichter mehr. Keine Fotos, keine Buttons, keine Kernfiguren, nichts. Am Ende bleibt nur die Masse, nur das Bild einer aus allen Nähten platzenden Straße. Ob diese Menschen virtuell sind oder real, das spielt keine Rolle. Noch ist es nicht durchgedrungen, noch postiert man Wael Ghonim an die Spitze einer Bewegung, noch präsentiert man Bouazizi als “Tipping Point” der tunesischen Revolution, aber so wie es jetzt aussieht, stirbt die Führungsfigur aus als Revolutions-Macher. Sie wird ersetzt durch den Impuls – der Macht des Moments. Read more

Rivva: Pause. Commentarist: Pause. Ich: Argh!

Auch wenn der Artikel es nicht so wirklich durchscheinen lässt, ich war sehr dankbar für Commentarist.  Eine Seite, die sich nur auf Kommentare fokussiert. Endlich konnte man einige Nachrichtenseiten aus seinem Feedreader löschen (die 1000+ nerven auf Dauer) und musste nicht mehr eine dpa-Meldung in 20 fast wortgleichen Versionen lesen. Endlich eine Möglichkeit, an einem zentralen Punkt, Journalisten, deren Texte man lesenswert findet, per Feed zu abonnieren. Endlich eine Seite mit allen Kommentaren von den wichtigsten Nachrichtenseiten. Und auch für Zeitungen: Endlich eine Möglichkeit, ohne nennenswerten Werbeaufwand neue Leser zu bekommen, auf einem Kanal, den sie selbst niemals erdenken könnten. Ist doch gut für alle, meint man. Seite heute ist klar: Das ist Wunschdenken, Commentarist muss zwangspausieren. Read more

Die Philosophie schweigt

Es ist nicht neu, es zeigt sich jetzt nur in vollem Ausmaß. Die Philosophie schweigt. Nicht, dass sie leise wäre, sie posaunt ununterbrochen. Letztes Jahr tobte eine Diskussion in den Feuilletons über Sloterdijks Vorschlag einer Revolution der gebenden Hand, letzte Woche titelte die Zeit mit “Die neue Lust an Philosophie” und aus Frankreich knallt man Ohrfeige um Ohrfeige ins Gesicht der bürgerlichen Indifferenz. Aber ob die Revolution in Tunesien die erste Social Media-Revolution ist, diese Frage stellte nicht etwa Žižek – der sonst recht viel zum Thema Wikileaks zu sagen hat -, nicht Sloterdijk und auch sonst kein Philosoph, sondern Ethan Zuckerman, ein Journalist. “Payback” wurde von einem Journalisten geschrieben, eine historische Einordnung des Internets findet sich bei Mercedes Bunz, ebenfalls Journalistin. Hier schweigt die Philosophie. Das ist arm. Read more

Arcor und die Negerlein.

Vor knapp zwei Tagen hat mich Marco auf auf den hier aufmerksam gemacht. Den findet man nicht irgendwo, nein, der ist auf der Startseite von Arcor verlinkt. Im ersten Moment dachte ich mir, dass die Seite bestimmt gehackt wurde und Arcor  nicht ernsthaft so hart an der Grenze zur Totalverdummung entlanggeschrammt sein könnte. Aber mittlerweile sind drei Tage vergangen und die – Achtung, der Name sagt alles – “Funbox” ist immer noch online. Also gehe ich davon aus, dass Arcor a.) ein lausiges Seitencontrolling oder b.)  überhaupt kein Problem damit hat. Wir sehen also einen nackten Schwarzen mit – wie könnte es anders sein – Megapenis. Read more

@Commentarist.

Das Wichtigste an einer Diskussion ist nicht, zu wissen, dass gerade eine Protestbewegung in Tunesien stattfindet, sondern wie man diese einordnet. Es geht also nicht um die Nachricht, nicht um das “Hast Du schon gehört?”, sondern um die Beurteilung der Ereignisse. Also, was für Auswirkungen hat Tunesien auf die “arabische Straße”, inwieweit spielte das “Socializing” eine Rolle bei den Protesten, und warum hat Europa eigentlich so lange still gehalten? Es geht um Meinungen und damit auch um eines der Kernstücke journalistischer Arbeit, das Einordnen von Ereignissen in den Gesamtkontext. Read more

Nazikommunistenschweine.

Nennen wir es das Hufeisen-Prinzip. Zwei Enden, eine Mitte. Die Enden, das sind die Ideologien, sprich Links- und Rechtsextremismus. Die Mitte, das ist der Wutbürger, also der Durchschnittsdeutsche. Die Idee dahinter ist simpel: Man sollte lieber nicht an den Enden rumgeistern, sondern in der Mitte bleiben, schließlich sagte das in ähnlicher Form bereits Aristoteles. Politische Debatten sind anscheinend nur dann zielführend, wenn man sich am Ende in der Mitte trifft, statt Argumenten wird einfach eine Position ausgefeilscht. Damit lässt sich jedes Problem lösen, zum Beispiel der Nahostkonflikt. Würden beide Seiten ein wenig von ihren Positionen abrücken und sich aufeinander zu-, sich also in Richtung Mitte bewegen. wäre der Konflikt lösbar.  Aber das Interessante am Hufeisen-Prinzip sind die Enden. Read more

Das “soziale Gedächtnis/Archiv”

Ich sitze derzeit an einem Artikel und im Zuge der Recherchen gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass die digitale Gesellschaft sich in zwei Richtungen entwickelt. Auf der einen Seite hat man das pure Marketing-Instrument, Seiten wie Foursquare, Roadify und Best Buy. Auf der anderen Seite haben wir den wissenstheoretischen Aspekt der ganzen Debatte, die zwangsläufig mit an die Oberfläche gespült wurde. Stichwort Privatsphäre, Stichwort Dezentralisierung im Netz. Der gemeinsame Nenner hier ist meiner Meinung nach das “Archiv”. Warum das so ist, will ich kurz begründen.

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Türkesein, unkritisch

In letzter Zeit führe ich viele Interviews, immer häufiger auch mit Türken. Normalerweise wäre das nicht weiter interessant  gewesen, aber mir ist was aufgefallen: Es gibt diesen einen Moment im Interview, in dem man versucht, der Situation an sich einen historischen Aspekt zu geben, warum bist Du so, wie Du bist, warum gehst Du das Thema auf diese spezielle Art und Weise an, was ist Dein Hintergrund?  Recht oft findet an dieser Stelle des Gesprächs bei Türken ein Rückgriff auf die Nationalität statt. “Ich bin so, weil meine Eltern Türken sind”, “Ich mache diese Kunst, weil ich zwischen zwei Identitäten schwanke”, “ich bin so, weil mich die rote Flagge schon damals verzaubert hat”, egal was, es ist oft die Rede von der eigenen Identität, die anscheinend nicht ohne Reisepass zu definieren ist. Das zeigt dann auch am deutlichsten, welche Rolle der Nationalismus im kulturellen Kontext der Türkei immer noch spielt. Read more

Bob Woodward und Wikileaks

Am 17. Juni 1972 wurde Bob Woodward, er arbeitete noch kein Jahr für die Washington Post, damit beauftragt, einer lokalen Story nachzugehen, es ging um einen Einbruch in die Geschäftsräume der amerikanischen Demokraten, nichts Großes. Doch die Einbrecher arbeiteten für die CIA, in den Notizheften fand sich die Nummer des Weißen Hauses, die Story wurde größer. Und irgendwann zum Watergate-Skandal. So beginnt das Erwachen des öffentlichen Interesses an der Person des Präsidenten: Wer ist er? Was hat er gemacht? Wir wollen das wissen, demokratisch gesehen ist er uns verpflichtet, also haben wir ein Recht auf seine Korrespondenzen, auf seine Gedanken, gebt sie uns zu lesen! Diese Kausalitätskette wird in Gesetzesform festgehalten, dem Presidential Records Act (PRA).  Wenn man heute über Wikileaks spricht, muss man hier anfangen.

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Wikileaks und was Ischinger nicht sagt

Das Problem bei dem anstehenden Wiki-Leak wird in diesem Interview der “Frankfurter Rundschau” zwar angedeutet, aber dann weiträumig umschifft: Auch wenn die Komplettaufhebung der Grenze zwischen einer Geheim-Korrespondenz und der Sichtbarmachung ebendieser zwar eine neue Spielregel einführt, denn der eigentliche Sinn, das taktische Lästern, kann nur stattfinden, wenn die Person, über die gesprochen wird, nicht  mithört, erklärt das noch lange nicht, warum amerikanische und britische Regierungskreise derzeit so beunruhigt sind. Genau darauf geht Wolfgang Ischinger im obigen Interview eben nicht ein.

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Was muss ich noch lesen?

In der aktuellen “Zeitgeist”-Kolumne (noch nicht online) beschwert sich Josef Joffe, einer der Herausgeber der “Zeit“, darüber, dass die Jugend einer permanenten Beanspruchung durch das mobile Leben (Was ist auf Facebook? Habe ich neue e-Mails/SMS bekommen? Gibt es ein neues Video von Künstler XYZ?) ausgesetzt sei und deshalb nicht mehr zur Ruhe komme. Diese Ruhe sei aber notwendig, schaffe sie doch den Raum zum selbstständigen Denken. In seinen Worten: Read more

„Missstände, aber keine Konsequenzen“

Energisch packt sie sich das Megafon und steigt auf einen Holzstuhl, um die kleine Menschentraube voll zu überblicken. Sie will was sagen, setzt an, ihre Gesichtsmuskeln verkrampfen, offensichtlich spricht sie, aber was?, es bleibt ein Geheimnis, ihre Worte werden von einem Störgeräusch übertönt, das Megafon funktioniert nicht richtig. Sie setzt erneut an. Menschen halten sich die Ohren zu, vereinzelt dringen Worte durch den Lautsprecher: „Studiengebühren“, „liebe Protestierende“, „zu hoch“. Und noch einmal: „Zu hoch“. Read more

Was darf Werbung?

Da weht ein rauher Wind durch die Blogs, sei es bei den Rebellen oder in einem Posterous-Beitrag. Beide beschweren sich aus je unterschiedlichen Gründen über eine Guerilla-Aktion des Unternehmens Sixt, aus je unterschiedlichen Gründen. Was bei Person A die Verbandelung der Werbeagentur mit dem Energie-Riesen RWE ist, ist für den anderen der Eingriff in die Spielregeln des demokratischen Protests. So sehr ich die Intention bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann – der moralisch fade Beigeschmack – so wichtig ist es mir zu betonen, dass man vielleicht noch mal drüber nachdenken sollte, worüber man sich hier eigentlich beschwert. Darum sollte ich erst die Agentur betrachten, bevor ich dann auf das Argument der Amoralität eingehe.

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Es geht nicht (nur) um Obama.

Die Schlagzeilen verweisen alle in eine ähnliche Richtung: „Der blutleere Präsident“, „Denkzettel für den Präsidenten“ (beides SZ), „Abrechnung  mit Mr. Perfect“, „Supermacht im Superstillstand“ (Spiegel), „„Yes, we can“ ist Geschichte“ (FAZ) oder auch „Das Ende des Messias“ (Die Zeit). So grundrichtig es ist, dass die Demokraten 60 Sitze abgeben mussten, so unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Kontext. Ergebnisse abzurufen und daraus ableitende (und gut geschriebene) Jetztzeit-Analysen zu verfassen, das ist nur die eine Seite. Wichtiger wäre es, Obama mit anderen Präsidenten zu vergleichen. Read more

Der letzte DVD-Kauf

Mein Vater sagt kluge Sachen. Vor knapp 12 Jahren kam er in mein Zimmer und sagte: “Sohn, anstatt den ganzen Tag vor dem PC rumzuhängen und zu spielen (Worms 2), setz’ Dich lieber mit dem PC und dem Internet auseinander.” Ohne jemals irgendeine Fachzeitschrift in die Hand genommen zu haben, ohne an irgendeiner Form von kulturellem Wissenaustausch zu partizipieren, einfach aus gesundem Menschenverstand heraus, wohlgemerkt. Ich ignorierte das umgehend und zahle heute die Strafe dafür, dass ich für jeden Kleinscheiß zu Hannah oder Chris rennen muss. Auch wenn sie gerne und immer helfen, diese Ohnmachts-Position widert mich an.
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Sizzla, Reggae und die Meinungsfreiheit

I got my brain on hype.
Tonight’ll be your night.
I got this long-assed knife.
and your neck looks just right.
My adrenaline’s pumpin’.
I got my stereo bumpin’.
I’m ’bout to kill me somethin’.
A pig stopped me for nuthin’!
(Anm. H.T.: Pig ist ein abwertendes Synonym für “Polizist”)

Cop Killer, better you than me.
Cop Killer, fuck police brutality!
Cop Killer, I know your momma’s grieving, (Fuck her!)
Cop Killer, but tonight we get even, yeah!
(Body Count – Cop Killer)

Als dieses Lied zum ersten Mal gespielt wurde, 1991 auf dem Lollapalooza-Festival, wurde der Inhalt dieses Songs massenmedial so gut wie gar nicht wahrgenommen. Doch binnen eines Jahres generierte dieses Musikstück im Land der Meinungsfreiheit einen solchen Hype, dass selbst der damalige Präsident der Vereinigten Staaten sich dazu genötigt sah, in dieser Debatte gleich mit mehreren Kommentaren präsent zu sein: Unter anderem beschuldigte George Bush Senior den Songwriter und Rapper Ice-T „(mental) krank“ zu sein.

Die Popularität dieses Songs hängt unweigerlich mit der Rodney King-Kontroverse zusammen: Amerikanische Polizisten verhaften einen Schwarzen, verprügeln ihn und werden am Ende freigesprochen. Die (schwarze) Bevölkerung ist derart unzufrieden, dass die Proteste schnell in Gewalt umschlagen und eskalieren. Dieser Song von Body Count, der auf Grund des Protestes letzten Endes von der CD genommen (aber trotzdem auf Konzerten gespielt) wurde, beschreibt eine fiktive Handlung einer fiktiven Person. In Ice-Ts Worten: “Ich habe noch nie einen Polizisten getötet. Wenn ihr denkt, dass ich ein Cop-Killer bin, dann glaubt ihr auch, dass David Bowie ein Astronaut ist“. Man möchte hinzufügen: Oder dass die Beatles und Jimmy Hendrix ihre Freundinnen und Frauen eher umbringen, als sie mit einem anderen Mann zu sehen, Pink Floyd Schwule an die Wand stellen will und Bob Marley, der personifizierte Frieden, es tatsächlich fertig bringt, einen Polizisten zu erschießen. Aber dem ist eben nicht so. Radikale Texte sind also nicht per se zu verurteilen, es gilt zu differenzieren.