Posts by Hakan Tee

Wunden verkrusten

Ich schau’ mir die Wunde an. Der Cut ist tief. Wenn ich mit dem Finger auf das Blut drücke, wenn ich fest genug drücken würde, ich glaube, mein kleiner Finger würde komplett reinpassen. Ich spüre das Bein auch gar nicht mehr, habe keine Schmerzen, da ist nur das Gefühl, dass ich mich krank gelacht hätte, wäre das nicht alles so übertrieben dramatisch verblutet. Read more

schlucken

In den letzten zwölf Jahren habe ich genau drei Mal geweint, drei Mal innerhalb des letzten Jahres, zwei Mal davon vor Dir, in Deinen Armen. Ich habe nicht geschluckt, nicht nachgedacht, ich lag aufgelöst an Deinem Kopf und habe geschluchzt wie das Kleinkind, das ich immer noch bin von Zeit zu Zeit. Alle Regeln mal eben beiseite gewischt mit dem Pulloverärmel. Die Tränen ausgehalten, sie das Kinn runterlaufen lassen, bis sie irgendwann wieder in Haut übergingen. Nicht geblinzelt, die Tränen dick werden lassen, damit sie auf meine Klamotten platschten.  Read more

Der erste Blick

Als ich noch in der Buchhandlung gearbeitet habe, da bekam ich morgens, beim Aufschließen des Ladens, einen Schlüsselbund in die Hand gedrückt. Vier bis fünf Schlüssel hingen daran, der Farbe und Form nach konnte man fast alle gut unterscheiden. Der eine war klein, rundlich und hatte einen Plastiküberzug, der andere wiederum hatte eine ganz spezielle Form, ein bisschen sah der obere Teil aus wie ein Sarg, so von der Form her. Wie das Zimmer des Restaurant-Kritikers bei “Ratatouille”. Und dann gab es noch zwei weitere Schlüssel. Auf den ersten Blick konnte man sie nicht unterscheiden. Read more

Alte Stadt braucht neue Bilder

Da war dieses Piece an der Haltestelle, quer über zwei eher kleine Häuschen, die keine zwei Meter hoch sind und knapp einen Meter breit. Drei Buchstaben, gefüllt in Chromfarben, mit schwarzer Outline und einer leichten Schattierung. Vielleicht war das schwarz auch dunkelgrün, ich weiß es nicht mehr. Das Bild war schließlich knapp 15 Jahre dort, ich hatte also genug Gelegenheiten, um daran vorbeizuschauen. TKS stand dort. The Kings.  Read more

Easy Listening

Ich kann wieder Radio hören. Das ist ein mittelgroßes Wunder. Ich erinnere mich noch an Zeiten, und ich rede nicht davon, dass ich noch in die Schule ging und mir deutschen Untergrundrap reingezogen habe; (das hier z.B.) Musik, von der ich unmöglich erwarten konnte, dass sie je-mals im Radio gespielt werden würde. Ich war Untergrund und dementsprechend weit davon entfernt,  David Guetta zu hören. Gerade eben habe ich mir eine Folge von Gossip Girl angeschaut und mir von Shazam währenddessen zwei Lieder erkennen lassen. Read more

Creatin

Wenn man ins Fitness-Studio geht, gibt es einen Punkt, an dem man nicht mehr weiterkommt. Bevor man an diesem Punkt ist, muss man jede Menge Zeit investiert haben und diszipliniert gewesen sein. Man muss drei-, viermal die Woche ins Studio gegangen sein, man muss Gewichte gestemmt haben, dass man – zu Beginn – am nächsten Tag das Gefühl hatte, gleich zerreißt es einem die Muskelfasern, gleich macht es ratsch und dann ragen ein paar saftige Fasern aus der Haut, ein bisschen wie Hühnerbrust. Man muss immer ein wenig nach dem “Mehr” gelechzt haben, jedes Training eine Schippe draufgelegt haben, mal eine Wiederholung mehr, mal 2,5kg mehr Gewicht, beim letzten Bankdrücker weniger Hilfe in Anspruch genommen haben von seinem Trainingspartner. Man muss seine Ernährung umgestellt haben: Magerquark-Bottiche, essen mit Nase zu, in sich reinschaufeln. Man fängt an, Nahrung nicht mehr nach Genuss, sondern nach Eiweiß und Kohlenhydraten auszusuchen. Man trinkt nicht mehr, man sieht alles durch seinen Körper. Eine Stunde joggen, damit man einen Schokoriegel wieder wegtrainiert hat? Fickt euch, ich esse nichts.

All das hat man gemacht, mal länger, mal weniger, mindestens jedoch ein Dreivierteljahr. Dann kommt der Punkt. Man kommt nicht weiter, man stagniert. Es gibt kein Erfolgserlebnis mehr, egal, wie fest man drückt, wie sehr man seinen Trainingsplan umstellt, die Gewichte bleiben gleich, die Muskel werden nicht größer, man selbst nicht leistungsfähiger, nicht schneller, nicht agiler. Man bleibt, wer man ist.

An diesem Punkt nehmen Fitnessmenschen (nicht alle, die, die ich kenne und die auch einigermaßen wie Muskelberge aussahen), Creatin. Was genau passiert, weiß ich nicht, irgendwas mit Wasserspeicher, kurzzeitig mehr Kraft, mehr Ausdauer, mehr Leistungsfähigkeit, einfach mehr. Wie, wenn man auf seinem Stuhl sitzt, den Lichtschalter erreichen will und man kommt näher, immer näher, aber man erreicht den Schalter trotzdem nicht. Man streckt sich und der Abstand verringert sich, der Stuhl ist schon in der Kippe, gleich reißt der Kontakt zum Schreibtisch ab und man fällt vollends auf die Schnauze, doch egal, wie sehr man sich streckt, man weiß, es wird nicht reichen. Creatin ist hier der Nagel am kleinen Finger, den man sich nicht geschnitten hat für zwei Monate und der deswegen zusätzliche drei Centimeter bringt. Mit dem man den Schalter erreicht. Sein Ziel erreicht. Weiterkommt.

Aber Freundschaften bestehen ja nicht aus Muskelspielen.

Capslock-Stimme

Irgendwann hat er angefangen, mit mir zu reden. Wir saßen beide in der S-Bahn und er fing an, mich anzuquatschen. Kleiner Typ, recht bullig, Augenbrauen wie ein Faltdach, und immer leicht griesgrämig, ein Blick, den man nicht einschätzen kann, seine Hände so rau, dass er Arbeiter sein muss. Ich weiß nicht, worum es ging. Nur, dass er sauer war. Ich dachte, deswegen brüllt er so durch die S-Bahn. Read more

Die Welt anfassen

Er heißt Enes und er saß eine Reihe vor mir beim Freitagsgebet. Ich kenne ihn, ich kenne ihn nicht wirklich, aber das seit ich sechs bin. Wir gingen in die Moschee, an Wochenenden, wir haben zugehört, gemeinsam Verse auswendig gelernt, dann haben sich unsere Wege getrennt, ich blieb in der Moschee, er ging fort ins Leben, jetzt kommt er häufiger, ich hingegen selten, aber für den Moment ist das egal. Denn er sitzt die Reihe vor mir und ich schaue auf seinen Pulli. Read more

In den Papierkorb leben

Ich weiß nicht genau, wann es war, ich vermute, es muss ziemlich genau ein Jahr her sein, oder ziemlich genau zwei, auf alle Fälle kurz vor dem Ablaufen der Bewerbungsfrist. Sophie und ich standen in der Fakultät für Neue deutsche Literatur in München, zusammen mit anderen StudentInnen. Dass ich “Fick’ die Uni” von der Antilopengang auf meinen iPod gezogen hatte, war ziemlich die beste Entscheidung, die ich treffen konnte an diesem Tag. Ich glaub’, öfter habe ich das Lied nie am Stück gehört. Read more

Zenettistraße

Der Weg ist nicht breit, sagen wir vier Meter maximal. Umgeben von alten, hässlichen Mehrstockhäusern, die kurz nach dem Krieg gebaut wurden, ich sehe noch, wie mein Opa eines dieser Gerüste hochgeklettert ist, es waren drei Kleinbuchstaben zu sehen an der Fassade, sax. Der Weg bestand aus quadratischen Pflastersteinen, rot und faustgroß das Stück, an den Rändern grau und rechteckig. Von der Hauptstraße bis zum Eingang maximal 15 Meter. Direkt an der Hauptstraße fühlte man sich eingeengt, denn rechts war der Überbau zur Tiefgarage, man musste also einen Betonkorridor entlanggehen. Read more

Frictionless Sharing ist Bullshit

Seit knapp zwei-drei Monaten ploppen bei mir jetzt im Facebook-Stream Meldungen à la “Person XYZ hat diesen Artikel gelesen” auf. Das war damals die Haupterneuerung, verkündet auf der fB-Konferenz. Das und die Timeline. Anyway, nach drei Monaten fällt mir auf, was ich nach dem ersten “Interessant”-Moment von Anfang wusste quasi. Siehe Überschrift. Read more

Stream-Artikel

Seit geraumer Zeit merke ich, dass ich frühmorgens am Briefkasten vorbeigehe und die Tageszeitung einfach im Schlitz liegen lasse. Vergesst ganz kurz diesen Rattenschwanz an Assoziationen, den so ein Satz mit sich bringt, denn für mein Argument spielt das Medium an sich keine Rolle. Ob Zeitung oder Text im Internet auf der Onlineseite derselben Zeitung ist im Grunde egal, mich stört die Form: Mich stört der Artikel an sich. Read more

S.

Sie strich sich immer über ihren kahlen Kopf, wenn sie das sagte: “Bitte behandelt mich nicht anders.” Das ist alles, was mir von ihr in Erinnerung geblieben ist. Und, dass sie einmal neben ein paar Schritte vor mir ging, und ich sie überholte, weil ich diese Angewohnheit habe, mein Leben nach Fahrplänen auszurichten und die S-Bahn würde bald kommen, deswegen musste ich meinen Gang beschleunigen. Sie hingegen hatte keine Eile, sie schlenderte vor sich hin, eine Hand in den Rucksack eingehakt, ihre Uhr tickte in einer anderen Geschwindigkeit.  Read more

Sie müssen mich beschützen

Mir haben sie erzählt, dass Israel den Holocaust erfunden hat und Adolf Hitler eigentlich ein Held sei und in Argentinien lebe. Mir haben sie erzählt, dass der elfte September ein Inside Job ist und die Regierungen alles daran setzen, um den Bürger darüber in Unkenntnis zu halten. Mir haben Leute, auf deren Urteil ich damals viel Wert legte, erzählt, dass die Kurden zu verachten sind und die Türkei sich schon zu wehren wüsste, aber da die restliche Welt uns Türken hasse, insbesondere die Briten, aber auch die Araber, könne man nicht so, wie man wolle. Aber Öcalan müsse sterben. Ich zog damals los, einmal quer durch das Internet, und diskutierte dort mit anderen Leuten über meine Theorien. Nicht über Hitler, dafür besonders viel über Israel und Palästina.  Read more

Hypothes.is

Vor recht langer Zeit habe ich einen Freund gefragt, ob er mir für WordPress ein Plugin bauen kann. Mir ging es darum, dass ich die Kommentarfunktion beschissen finde, so wie sie jetzt ist. Ganz unten, komplett lieblos als Anhängsel, das man nicht wirklich ernst nehmen kann. Das Kommentarsystem ist die große Achillesverse des Versuchs, online eine Community zu bilden. Wer von euch viel in Foren hing, weiß wie nervtötend es war, dass man die Beiträge der anderen immer in Teilzitate aufsprengen musste. Anscheinend soll es dafür jetzt eine Lösung geben. Read more

Schüsse hören

Dreißig Leute sitzen an ihren Tischen und beim kurzen Nachdenken fällt mir auf, dass ich mir absolut keine Namen merken kann und jetzt ist schon eine Woche rum, alle anderen kennen sich, waren gemeinsam auf Partys, es gibt genug Insider für mein fragendes Gesicht, irgendwie kriege ich Maxis Bild nicht aus meinem Kopf, wie er dasteht und “Ja, Hakan, fahr’ Deinen Egotrip” sagt und ich strenge mich an, nicht den einfachen Weg zu gehen, nehme also die Kopfhörer aus den Ohren, sage “Hi” und stelle mich dazu, mit diesen Menschen werde ich ja jetzt die nächsten zwei Jahre verbringen und Gott sei Dank, alles coole Leute, ich fühle mich beobachtet, während ich das hier schreibe, da sitzt jemand auf meiner Schulter und liest mit, jetzt mehr denn je, aber kein Grund, zu lügen. Alles gut soweit.

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Genau wie Opa

Sie sind alle zu Dir geflogen. Ich nicht. Mein erster Gedanke war: „Und dann was?“ und mein zweiter Gedanke: „Das lohnt sich nicht.“ Ich kann damit nichts anfangen, also bin ich geblieben. Gesagt habe ich das nicht, nicht laut, gehört hätte es niemand. Alle außer mir sind geflogen, alle, die dazu gehören und über 20 sind. Hektik, 20 Tickets, am nächsten Tag geht der Flieger, rechtzeitig zum Mittagsgebet, so will es die Tradition. Ich hab weiter gemacht wie bisher, es hat mich nicht aus der Bahn geworfen. Ich hatte es bereits verdrängt, als es noch nicht passiert war. Ich war vorbereitet. Ciao. Weiter geht’s. Read more

Quote.fm – Betaphase

Vermutlich bleibt dieses Blog für immer hässlich, aber das ist nur eine Randnotiz. Ich bin also seit keine Ahnung wie lange bei Quote.fm. Und da ich am Anfang den Mund recht voll genommen und gesagt habe, dass es schwer schwer werden könnte – aus Gründen, die man hier nachlesen kann – schreibe ich eine kurze Zwischenbetrachtung.  Read more

F.E.A.R.

Ich hab keine Angst. Also nicht diese diffuse Lebensangst.. Ich hab Angst, wenn ein paar Leute mich einkreisen und einer aus dem Nichts einen SuckerPunch gegen meinen Kopf schwingt, ich hab Angst, wenn ich mit Filmszenen konfrontiert werde, in denen man nur das Nichts des Alls sieht mit ein paar wirr drüber gelegten Atemgeräuschen, ich hab Angst, wenn ich als zwölfjähriger Junge in einem wildgewordenen Aufzug steckenbleibe, der ohne ersichtlichen Grund zwischen dem vierten und siebten Stock hoch- und runterfährt und ich wegen eines Stimmbruchs nicht schreien kann – aber das, was viele Zukunftsangst nennen, habe ich nicht. Read more

d.

ich hab letztens d. getroffen.

der hat früher hier gewohnt, zusammen mit w. und e. und einigen anderen. mit pfelix. du kannst dir vorstellen, warum er pfelix hieß. hatte mit seiner fresse zu tun. nicht gerade ein geschenk. wie auch immer, das waren die big boys. die dealer. hättest du ihnen nie angesehen, dass sie soviel geld machen. also natürlich, sie hatten komische autos, das von w. sah aus wie ein “knight rider”-kitt, und das war verdächtig, wer fährt das mit 23? aber ansonsten war alles unauffällig. die hatten keine vollbärte und waren keine dickbäuchigen männer mit zwei schampusflaschen, du verstehst schon. Read more

“You have no subscriptions”

Ich habe alle meine Abonnements gelöscht. Insgesamt waren es 450; darunter Blogs, die pro Woche einen Artikel haben, aber auch Nachrichtenseiten, die auf ca. 200 in der Woche kommen und ebenfalls Aggregatoren, von denen der tüchtigste an die 180 Artikel pro Tag rausballert. Jetzt ist alles gekündigt, auch die guten Seiten. Und nein, ich fühle mich nicht “freier” und “genieße” jetzt die “Stille”. Das ist auch kein Experiment, ich schreibe kein Buch mit dem Titel “Nachrichten finden mich” – ich glaube nur, dass ich mich neu organisieren muss, das ist schon alles. Read more

Euch gehört das Internet

Dass Du in einem Kreis lebst, merkst Du nicht unbedingt daran, dass Du an einem gewissen Punkt schon gewesen bist, sondern eher, dass Dich ein bestimmtes Gefühl durchschüttelt. In Sekundenbruchteilen weißt Du, dass Du hier schon einmal gewesen bist, vor dieser Diskussion schon einmal resigniert hast, Dir schon recht häufig, eigentlich nonstop, den Satz pressen lassen musstest, dass man alles nicht so ernst nehmen solle und es ja nicht so gemeint sei, man lebe halt im Internet und, mein Gott, stellt Dich nicht so an, hier weht der Wind rauer, reg’ Dich nicht auf, wenn dabei kleine Holzbötchen an den Felsen zerschellen, schließlich sind dafür ja die Wellen super. Read more

weiterrennen

Es gibt nur einen Anfang. Das Ende ist wie der Regenbogen, der immer auf der anderen Seite des Hauses ist. Du läufst, gleich ist es geschafft, gleich siehst du, was da wirklich ist, gleich kannst Du das Gold, was auch immer da rumliegen mag, bald gehört es Dir und Du kannst allen davon erzählen, ein Geheimnis weniger. Dann biegst Du um die Ecke und genau in dem Moment, als Du nicht hinschauen kannst, als Dein Blick versperrt ist, springt der Regenbogen hinter das nächste Haus.

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Vorabanalyse zu Quote.fm

Nichts ist einfacher als harsche Kritik. Sich einfach zurücklehnen und aus seinem Sessel heraus gemütlich über andere zu urteilen. Wie dumm sie sind, was sie nicht verstehen, was sie nicht bedacht haben, dass man selbst das alles besser umsetzen würde und generell sind alle anderen intellektuell nicht in meiner Reichweite. Das ist die Seite der Arschlöcher, Besserwisser, Wutbürger, die ihr eigenes Nichtstun durch Aggression gegen unbekannte Dritte richten. Kritik an sich ist aber geil. Weil man falsch liegen kann, weil man schon recht bald erfährt, ob man Phänomene/Sachen/Dinge etc. gut einschätzte und weil sie – wenn man den Ton trifft – auch interessante Ansätze liefern kann. In diesem Sinne will ich kurz darlegen, warum ich glaube, dass Quote.fm vor erheblichen Problemen stehen wird, wenn es am Sonntag mit der Beta losgeht. Read more

Die Mülltonne

“Es war einfach anders in der Hauptschule. Normal bist Du eingeschüchtert, wenn Du siehst, wie sie die Fünftklässler am ersten Tag begrüßen. Die haben die gepackt und dann in die Bio-Tonne geworfen. Wie bei den Simpsons.” Er erzählt die Geschichte mit einem Lächeln auf den Lippen, damals hat ihm das bestimmt einen ungeheuren Schrecken eingejagt, aber die Zeit legt einen Nostalgie-Filter über die Bilder, die man sich so gespeichert hat. “Und ich laber’ so mit Deinem Bruder darüber, erklär ihm, wie das abläuft bei uns. Damals ging er noch ins Fitness, war so ein Viech, Du kennst es ja. Er hört sich das an. Dann zieht er plötzlich die Augenbrauen zusammen und schaut mich an. Richtig sauer. Read more

Gespräche

“Ra Ra Rrrrriots!” (brüllend)

“Glaubst Du, hier könnte das passieren?”

“In München?”

“Nie. Und wenn, dann machen das eh’ nur die Punks … Würdest Du mitmachen? Read more

Fremd in dieser Stadt

Sie ist nicht neu in der Stadt, aber dass ich mit ihr abhänge, das ist neu. Also muss ich das Terrain abklären, keine Ahnung warum, vielleicht überbrücke ich auch einfach nur die Zeit, bis ich ihr das nächste feine Lokal, den nächsten schönen Frauen-, Männer- oder Tortenladen zeigen kann hier in der Maxvorstadt. “Wie findest Du München eigentlich?”, frage ich sie, ich kenne die Antwort, sie wird nicht warm hier, aber egal, das ist ein Marketingtrick, vielleicht ist es auch ein Trick von guten Zuhörern, wenn die Leute die Sachen selbst sagen, kommen manchmal komplett verrückte Formulierungen zustande. “Die Menschen sind so kalt”, das ist ihre Antwort, auf den Punkt gebracht. Auch wenn sie die gesamte Stadt noch in Schutz nimmt mit “Tief drinnen sind sie nett, aber die Stadt, das Leben zwingt sie zum Frost”, ihre eigentliche Aussage ist: “Die Stadt ist kalt”. Read more

Die Webseite der New York Times – in hübsch

Momentan sitz ich ja an einem Redesign des Blogs hier. Ich hatte mehrere Entwürfe, fand allesamt saugeil, unfassbar gut und hab meine Ideen dann Typographen und Webdesignern gezeigt – kurz darauf saß ich wieder an einem neuen Layout. Will sagen: Es gehört dazu, vieles nicht zu können, solange man anderen Leuten zuhören kann und deren Kritik nicht als Dolchstoß empfindet. Und trotz all meines Nicht-Wissens bin ich mir in einer Sache sehr sicher: Die Hauptseite der New York Times ist unfassbar schlecht. Gut, dass man mir Recht gibt.

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Aus den Interviews #14 – Lyotard

Thébaud: “Was meinen Sie mit Moderne?”

Lyotard: ” […] Ich erinnere mich an die Vorwürfe gegen die künstlerische Avantgarde. “Sie machen Sachen, die kein Mensch versteht, und Sie tun falsch daran.” […] Die künstlerische Avantgarde weiß, dass sie keine Leser, keine Zuschauer, keine Zuhörer hat. Und unter diesen Bedingungen muss sie arbeiten. Wenn man ihr dagegen das Bild eines Lesers, Zuschauers, Zuhörers aufdrängt, also ein Empfängerprofil, das die klanglichen, bildnerischen, literarischen oder gar theoretischen Experimente filtert, die sie unternehmen darf, dann kann sie gar nichts tun. Daraus ergibt sich eine schwerwiegende Frage. Read more

Lieber Google als Deutschland

“Dann müsstest Du die FDP wählen”, das waren seine exakten Worte. Ich weiß nicht, wie das für euch ist, aber das war auf jeden Fall als Diss gemeint. Wir diskutierten darüber, wem ich im Extremfall eher meine Daten anvertrauen würde, dem Staat oder einem Unternehmen. Ich entschied mich für die Unternehmen und damit auch für die “unsichtbare Hand” von Adam Smith, also dafür, dass der Markt und sein System von Angebot und Nachfrage mehr bewirken können als der Staat, gerade was Daten angeht – und das ist straight liberalistisch. Aber es gibt auch keinen Staat, den man ernst nehmen könnte, als Regulator oder sonst was.

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Spontanschreiben

Ob ich diesen Beitrag veröffentliche, weiß ich noch nicht. Auch nicht, wo er mich hinführt. Ich habe nur das Gefühl, dass ich schnell schreiben muss. Fließen lassen, nehmen, was kommt und in den Satz hämmern, auch wenn es anfangs noch ein bisschen aussieht wie ein verbeulter Zaun. Wenn man sieht, dass hier ein Stümper am Werk war, dessen Gedanken ein unaufgeräumter Bretterhaufen sind, der nun lose an den Zaun genagelt wurde. Read more

Google+-Balken

So sieht der schwarze Balken bei Google+ aus. Anscheinend gehöre ich zu den Menschen, die ihn schon seit gestern sehen können. Bei Wired und sonst überall steht, dass das Ding noch nicht wirklich flächendeckend eingesetzt wurde. Oder auch nicht, was weiß denn ich. Auf alle Fälle ist der Wandel sehr locker über die Bühne gegangen.

Edit: Einen ersten ausführlichen Test von Google+ gibt es bei der Rhein-Zeitung.

Der Online-Journalist, sorry, Werbetexter

Ich hab diesen Artikel lange vor mir hergeschoben: Weil es für mich so offensichtlich gewesen ist, ich dachte, jeder außer mir sieht das genauso, warum also sollte ich darüber bloggen. Aber seitdem der Kolumnist Gene Weingarten in der Washington Post darauf beharrte, dass man als Journalist keine “Marke” ist und in Amerika diese These nun intensiv debattiert wird (der Kontext über Storify), hier meine Sicht: Read more

Nico Rosberg und die Journalisten

Zum ersten Mal ist mir der Satz im Facebook-Stream begegnet: ein Freund von mir, der recht aktiv ist in Sachen Sportjournalismus hat ein Zitat von Nico Rosberg gepostet: “You also watch the Paralympics – people who are not able to put in great performances, but it is still exciting if they are facing each other”. Ein typisches Arschloch, dachte ich mir. Die Zeitungen waren sofort dabei: “Rosberg vergleicht Frauenfußball mit Paralympics” usw. Die Empörungsmaschinerie lief auf Hochtouren. Gestern nahm Rosberg Stellung zu den Schlagzeilen. Read more

Jon Stewart und 1899

Vielleicht habe ich das mit dem Suchen noch nicht so wirklich raus, aber mich verwundert es gerade doch sehr stark, dass in Deutschland den deutschsprachigen Blogs – bis auf den Politblogger – niemand Notiz davon nahm, dass Jon Stewart zu Gast bei Fox News gewesen ist. Aber weil der Artikel beim Politblogger unvollständig ist, spring ich mal in die Bresche. Read more

Feedly

Wenn ich einen Tag lang nicht dazu komme, in meinen Google Reader zu gucken, endet das meist damit, dass ich 1000+ Beiträge per “Alle als gelesen markiere” ausblende. Das liegt nicht unbedingt daran, dass das Lesen der Beiträge zu viel Zeit erfordert, sondern daran, dass die Usability von Google Reader  recht dürftig ist. Seit ich Feedly nutze, gibt es keine Probleme mehr. Holt euch das. Und zwar aus folgenden Gründen: Read more

Gerne umsonst, ansonsten ich

Ich bin ein bequemer Mensch: Bequem nicht im Sinne von faul, sondern im Sinne von, wenn es mir einleuchtet, gehe ich gerne einen “Nachteil” ein. Beispiel: Ich finde nicht, dass eine Einzelfahrt mit der S-Bahn in die Innenstadt von München 2 Euro 50 Cent wert ist. Ich finde nicht, dass die MVV München ein gutes Unternehmen ist, sondern dass sich deren Kontrolle aufführen wie eine Ersatzpolizei – und ich würde gerne sagen, es sei nur ein Klischee, das ist es aber nicht. Ich habe ein paar Kontrolleure bei der Arbeit begleitet, sie sind wirklich alles außer kundenorientiert. Trotzdem löse ich das Ticket. Read more

Willkommen an der Endstation

Yop, da bin ich wieder, mitten unter der Woche steige ich aus der letzten S-Bahn, an einer von Münchens Endstationen. Geweckt wurde ich von einem dieser Bahnmenschen in Kampfmontur. Das ist mir jetzt schon zum dritten Mal passiert, ich steige ein, schließe die Augen und mach sie erst wieder auf, wenn wir an der Endstation sind und die erste S-Bahn stadteinwärts in vier Stunden kommt.

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Rivva

Rivva ist zurück. Für mich persönlich sehr wichtig und zwar aus einem simplen Grund: Innovation setzt sich durch, auch in Deutschland, zwischen all den gesperrten Youtube-Videos und Verlagsklagen (wie z.B. gegen Commentarist) gibt es auch Unternehmen, die gute Technik und eine kreative Idee supporten. Schön.

Supersoaker-Regen

Früher habe ich Autofahrten bei Regen und Gewitter geliebt. Draußen zerbricht die Welt, es brummt und grollt, ab und an reißt ein Blitz die Nachtschwärze durch, trommelt der Regen gegen das Autodach. Draußen versinkt die Straße im Wasser, drinnen ist alles ruhig, wir haben alles unter Kontrolle. Unsere Straßen sind schlecht gebaut, sie sind brüchig und uneben. Das heißt, es gab Unmengen an Pfützen. Mein Dad wusste, dass ich Gummistiefel hasste, aber Pfützen liebte. Ich sprang auch immer rein, platsch und ich wurde krank. Aktion, Reaktion. Also fuhr Dad immer ein wenig neben der Straße, da wo die Pfütze ist, damit das Wasser extra hoch spritzte.

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Die Fremde (2010) #Film

Ich schreibe recht wenig über Filme. Was soll man da groß sagen? ‘Geh und schau ihn dir an’ vielleicht. Ich liebe Kunst- und Filmkritik, aber komme mir selbst dabei meist zu unerfahren oder zu aufgeblasen vor. Aber dann gibt es Filme, da geht es nicht so sehr darum, was man sieht, sondern darum, wie man es sieht. Wie bei ‘Die Fremde’ von Feo Aladağ, mit Sibel Kekilli in der Hauptrolle. Read more

Das Fusion-Festival – Willkommen im Staat

Ursprünglich wollte ich mich aufregen, ein wenig in die Tasten hauen, aber scheiß drauf, man sollte das alles gelassener sehen, also hier, nüchtern analysiert: Das Fusion-Festival will keine Graffitis mehr sehen. Warum das so ist, könnt ihr da oben ja selber nachlesen. Warum das so beschissen ist? Hier, Gründe: Read more

Alles – nur kein Plan

Letztens war ich bei einem guten Freund in der Wohnung, wir haben uns unser Morgen ein bisschen ausgemalt, denn mittlerweile hat die Zukunft schon ihre Furchen durch unser Gesicht gezogen. Was machst Du, was mach ich und wie finden wir das eigentlich? Ich habe ihm erzählt, wie ich mit 18 gesagt habe, dass ich nicht regulär arbeiten würde, bevor ich nicht mindestens 30 bin und, dass ich damit wohl glücklicherweise Recht behalte. Nur noch zwei, drei Jahre, inklusive ein Sommer zum Durchdrehen. Wie kurz nach dem Abi. Read more

Die kuratierte Masse

Es gibt zwei Binsenweisheiten, die beide zwar zutreffen, wenn man sie isoliert betrachtet, aber im Prinzip schließen sie sich aus. Erstens: Vier Augen sehen mehr als zwei.  Zweitens: Qualität schlägt Quantität. Crowdsourcing ist Variante eins. Irgendwelche mir unbekannte Menschen arbeiten zusammen an einem Thema und versuchen, eine Lösung zu finden. So wie man das vom GuttenPlag kennt. Variante Zwei ist Twitter. Das macht nur dann Spaß, wenn die Leute, denen ich folge, auch für Qualität sorgen, wobei Qualität keinem objektiven Standard genügen muss, sondern nur dem, was ich für mich als qualitativ ansehe. Gemeinsam geht das nicht. Stimmt zwar, aber nicht mehr lang. Read more

Wann wird man an einer Journalistenschule eingeladen?

Und – die viel wichtigere Frage – wann wird man abgelehnt? Vorneweg: Ich habe mich insgesamt dreimal beworben, davon gingen zwei Bewerbungen an die Deutsche Journalistenschule und eine an die Henri-Nannen. Die Bilanz ist, dass ich bei der Henri-Nannen im ersten Verfahren abgelehnt wurde, bei der DJS letztes Jahr zum Test eingeladen und dann abgelehnt und jetzt, seit gestern, angenommen wurde. Ich kann also ein wenig was dazu erklären. Und übrigens: Weiter unten findet ihr meine diesjährige Bewerbungs-Reportage für die DJS.

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Weg hier

Ich war in Berlin, ganze sieben Wochen werden es am Samstag gewesen sein. Bin tief versunken in den Seitenstraßen, in den kleinen, verrauchten Clubs, die so dunkel sind wie ein Wald in der Nacht, Blair Witch Project mitten am Görli, ich schließe meine Augen beim Tanzen, es macht eh keinen Unterschied, ab und an fällt fahles Blaulicht auf die Tanzfläche und es ist nicht die Polizei. Read more

Aus den Interviews #11 – Najla Hariri

”I’m not afraid of being stopped because I’m a role model for my daughter and for my friends. I will be remembered by my generation and I’m prepared to give driving lessons to those who want to drive.” Hariri who is married and in her thirties added: ”Saudi women should be allowed to drive, there is no law which prevents women from driving.”

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ICE-Züge streifen

In mir sitzt dieses tiefe Verlangen, auszubrechen, sich nicht zufrieden geben zu wollen. Das klingt pathetisch, ich weiß, aber das komische ist: Es gibt kein Ziel. Ich will nicht ein anderes Leben führen, weil ich denke, meines wäre irgendwie unzufrieden, sondern einfach nur, weil ich in einem Meer aus ungenützten Möglichkeiten lebe. Read more

Und überhaupt

Und scheiße drauf bin ich sowieso.

Und warum weiß ich auch wieder nicht.

Und seine Kritik habe ich ebenfalls verpasst.

Und zu spät  bin ich natürlich auch aufgewacht.

Und die S-Bahn ist mir auch vor der Nase weggefahren.

Und die Müllmänner unterhielten sich mal wieder in Caps Lock.

Und das Kinder Maxi-King hat auch nur nach Pampe geschmeckt.

Und morgen wird nicht alles besser, ich werd’s nur besser verdrängen.

 

 

Das letzte bisschen Anarchie

Aufstehen und arbeiten gehen. Jeden Wochentag, ohne Unterlass, denn so hat sich die Gesellschaft geeinigt, ganz ohne Vertrag. Du stehst auf, hüpfst unter die Dusche und das lauwarme Wasser prasselt auf dich ein, du schließt die Augen und öffnest den Mund, drückst ein wenig Shampoo in die Handinnenfläche und beginnst zu reiben. Beiläufig, dann so fest wie du kannst. Gelegentlich drückst du zu fest, aber das ändert auch nicht wirklich was, der Dreck ist nicht nicht der Stempel von gestern Nacht, den du gerade auswaschen willst, der Dreck ist nicht schwarz und lässt sich nicht einfach aus deiner Haut schrubben. Read more

Introducing: Dossier

Ohne großes Tamtam: Wir, ChrisHannah und ich, haben etwas entwickelt; noch hat es keinen Namen, bloß den Arbeitstitel “Dossier”. Vorne weg, um allem vorzubeugen: Die Grafiken sind als visuelles Beiwerk gedacht. Kommentare zum Design sind nicht notwendig, da es noch keines gibt. Read more

Lauf- und Kaufkundschaft

Ursprünglich sollte das nur ein Kommentar zu diesem Artikel vom Gurkenkaiser werden – wurde aber länger, darum stelle ich das hier in den Blog. Worum geht’s? Der Gurkenkaiser macht die Beobachtung, dass die Essensmöglichkeiten in einem Einkaufszentrum nur eine Funktion erfüllen: Sie dienen als Energielieferanten, das Essen wird dem Shoppen untergeordnet, dasselbe gilt für die Architektonik. Nicht verweilen, sondern eilen, von Geschäft zu Geschäft zum Geldausgeben. Read more

Staatsbürgerschaft aufgeben?

Ich könnte nicht, selbst wenn ich wollte – mich einfach in ein Flugzeug nach London zu setzen ist mir nicht vergönnt, denn ich habe zwar einen Pass, aber auf dem prangt kein goldener Adler, sondern ein goldener Stern. Es ist der Pass der Türkei, er verunmöglicht mir vieles und kostet mich jede Menge: Nerven, Zeit und vor allem Geld. Einfach nach London fliegen ist nicht, dafür fehlt ein gültiges Visum. Als Deutscher bucht man seinen Flug und dann wird man am Flughafen durchgewunken. Als Türke geht man zur britischen Botschaft, erfährt, dass man online einen Termin vereinbaren muss, macht genau das und kommt zurück, nur um zu merken, dass man nicht per ec-Karte zahlen kann und wird erneut weggeschickt, darf aber nicht wiederkommen, weil da ein neuer Online-Termin vereinbart werden muss, um im dritten Anlauf zu erfahren, dass man knapp 100 Euro zahlt und in zwei Wochen eine Zu- oder Absage erhält, um dann am Flughafen kritisch beäugt zu werden und beim Rückflug einem deutschen Polizisten erklären zu müssen, dass man seit knapp 27 Jahren in München lebe und er bitte aufhören soll, einen noch länger aufzuhalten.

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Ruhe

Ich glaube, er hat nur einen Vorwand gesucht, damit er uns ansprechen kann. Oder aber es wird wirklich peinlich für mich, dann hieße er Georg und ich hätte ihn erkennen müssen, da ich ihn in den letzten drei Wochen mindestens zehnmal gesehen habe. Beten wir für Fall 1. Bevor sie sich zuprosten, fragen sich die beiden Jungs, mit denen ich hier bin also, welche Sprache “Takk” ist. Ich denke an Kai und sage: Isländisch, und er sitzt fünf Meter entfernt, klar, dass er das hört, komisch aber, dass er mich anschaut, mir zuwinkt und zu reden beginnt: “Das ist Dänisch”, sagt er, “das hängt mit der Geschichte des Landes zusammen” und wir kriegen einen zehn Minuten-Vortrag aufgeschwatzt, er holt aus und alles, was er sagt, hat er aus seinem blauen Campus-Unibuch, auf dem er sich aufstützt. Vermutlich hat er eine Prüfung, was soll’s, wir hören ihm zu.

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Srsly#7 – FDP-Führung

Nur ganz kurz, weil ich über diesen Artikel auf Zeit.de gestolpert bin:

Sonderlich beliebt ist die Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin in ihrer Partei nicht. Inhaltlich, heißt es in der FDP-Führung, habe sie eher selten Beachtenswertes eingebracht. Und auch ihre Rolle als gut aussehende und damit medienwirksame Wahlkämpferin komme kaum noch zum Tragen.

Übersetzt:: Wir machen es auch vom Aussehen einer Frau abhängig, ob und wie lange wir sie in unseren Reihen unterstützen.

Journalistenschulen

Ich will Journalismus studieren. Ein gutes Jahr lang war ich mir sicher, dass ich dafür auf eine Schule gehe – am besten wären natürlich die drei großen, die Deutsche Journalistenschule in München, die Henri-Nannen in Hamburg oder die Axel Springer-Akademie hier in Berlin. Ein Volontariat kam für mich nicht wirklich in Frage, aber Stück für Stück ändert sich das und zwar aus einem Grund, der so banal wie erschreckend ist. Als angehender Journalist ist man – das ist (m)eine These – bei Verlagen besser aufgehoben, denn  die Journalistenschulen bieten mir womöglich nicht das, was ich mir von einer Ausbildung in Sachen Online-Journalismus erwarten würde.  Read more

Dartpfeile

Ich schwinge an Straßenschildern quer durch die Stadt. Eine Frage jagt die nächste, “Ernährt man sich eigentlich ungesünder, wenn man kokst?” Nicht meine Frage, aber seine Antwort: “Naja, es ist kein Yoga, das Du da machst.”  Er erzählt mir von seinen LSD-Trips, dass man unbedingt Diazepam dabei haben sollte, einen Exit, dass man den besten Sex habe, fünf Stunden und länger, falls alles harmoniere und er muss ganz instinktiv lachen, vollkommen unabhängig davon, dass er komplett bekifft und betrunken ist. Read more

Öffentlichkeit, ja – aber mit Rückzugsräumen

Ich hatte Angst davor, dass die Polizei meine Tür einrennt, weil ich mit Linksautonomen sympathisierte. Ich hatte Angst, dass die Nazis mir Briefbomben schicken, weil es nicht mehr schwer wäre, herauszufinden, wo ich wohne. Ich hatte Angst, dass die Leute mich auf der Straße erkennen und in Smalltalks verwickeln würden. Ich wusste, wie das war, wenn Unbekannte Dich ansprechen, Dich kennen und das ihnen scheinbar ein automatisches Recht gibt, mir einen Smalltalk aufzudrängen. Nichts gegen Smalltalks, es ist der Zwang, der von dieser selbstgefälligen Erwartungshaltung ausging; er machte mir Angst. Aus all diesen Gründen hielt ich an der Anonymität fest. Doch das Konzept verbleicht – und je länger ich auf der re:publica bin, desto schneller verflüchtigt sich der Wunsch nach Anonymität, auch wenn eine Restpanik bleibt.

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Viel mehr.

“Was Du kannst – das kann ich auch.”

Erst bemerke ich es gar nicht, ich komme in mein Zimmer und werfe mich aufs Bett, um einmal tief Luft zu holen. Aber da sticht etwas in der Seite, die harte Kante bohrt sich zwischen meine Rippen. Read more

Und dann noch alles andere, ne?

Ich hatte nie das Gefühl, das hier sei (m)ein Leben. Ich müsste meinen Arsch dafür aufreißen, mich anstrengen, damit ich später davon profitieren könne. Mein Kontostand beweist das mir jeden Tag aufs Neue. Ich bin hier nicht zu Hause, ich bin nur ein Zaungast. Read more

Weg.

Sie wird dich verschlucken, ohne kauen zu müssen. Du wirst nicht als zerfetzter Rest zwischen ihren Zähnen hängen, Du gehst direkt in die Tiefe, da, wo es dunkel ist und das Licht nur dann hineinscheint, wenn es neue Körper regnet. Dort stehst Du dann, die Schuhsohlen schmatzen durch den Sumpf, Du blickst gar nicht mehr nach oben, es gab mal dieses Draußen, aber da ist zu wenig Erinnerung in Dir, es verblasst zusammen mit dieser Schaukel auf dem Kinderspielplatz.  Read more

Alles gut soweit.

Ich hab die Seite einfach vergessen. Nicht, weil ich so sehr im Stress bin, weil ich nächste Woche nach Berlin ziehe für knapp zwei Monate oder weil ich auch ansonsten genügend Ausreden hätte – nein, einfach so. Das Look, Listen & Like läuft ganz wunderbar, ich poste viel Zeug, das man im Grunde genommen nicht gesehen haben muss, aber wenn wir schon so ans Leben herangehen, dann brauch ich ohnehin nicht viel mehr als eine rostige Suppenschüssel.

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Hier bin ich.

Ich bin kein Mensch, der Zeit hat. Nicht, weil ich soviel zu tun habe, sondern eher, weil ich immer einer gewissen Idee hinterher jage. Früher war es das Ziel, am meisten Kommentare in einem Forum zu haben, später ging es darum, Metal Gear Solid unter 3 Stunden zu zocken, und heute laufe ich die Treppen hoch, um dann vor Twitter zu gammeln und alle fünf Sekunden zu refreshen. Geändert hat sich nur eine Kleinigkeit. Ich. Read more

Ich will nichts von Dir.

Sie sitzt da und friert. Man sieht ihr an, wie sehr sie nach jemandem verlangt, mit dem sie reden kann, ihr Blick ist gerichtet gegen die Stahltür, die keine Barriere bildet, weil jeder reinkommt. Also setze ich mich neben sie und wir reden, keine Ahnung worüber, dass ihr kalt ist, dass ich ihr meine Jacke gebe, dass ihr jetziger Schwarm nicht so gut ist im Bett wie ihr Ex-Freund und dass sie trotzdem Sex von ihm will. Ich sitz daneben und berate sie, weil es mir egal sein kann. Mein Herz ist in London. Read more

24/7

Ich kenne niemanden, mich persönlich betrifft das überhaupt nicht, hier vor meiner Tür scheint die Sonne, nach dem Einkauf standen mir kurzzeitig Schweißperlen auf der Stirn, ich musste mein Autofenster runterkurbeln, so heiß war es heute in München. Trotzdem sitze ich seit knapp 24 Stunden vor dem Laptop-Bildschirm und ich kann nicht erklären, warum das so ist.

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Deckenblick

Ich hab ihm zugehört, wie er da vorne stand und von sich und seinem Leben erzählt hat. Man hat ihm regelrecht angesehen, wie sehr er gewachsen ist, der hellbraune Sarg im Hintergrund.  Read more

London 2

Wenn Du in London bist und die Regent Street entlang spazierst, rechnest Du jeden Augenblick damit, dass eine meterhohe Welle um die Kurve geschossen kommt und Dich mit voller Wucht in die Spalten der Betonwände der Gebäude quetscht. Während die Luxusläden eine Schattenexistenz in den Seitenstraßen fristen (und nichts anderes ist die Old Bond Street verglichen mit dem Oxford und Picadilly Circus), schlendert der gemeine Tourist entlang von mehrspurigen Hauptstraßen, auf denen alle fünf Meter das perfekte Touristenfoto geschossen werden kann. Wenn man denn stehenbleiben könnte. Read more

Memolane

Noch spielt das Archiv in sozialen Netzwerken keine Rolle, noch geht es verstärkt um den Stream, den simplen Fluss an Informationen. Facebook ist auf Kommunikation ausgerichtet, Twitter auf Aktualität. Das ändert sich langsam, App für App , nicht umsonst wollte Facebook Twitter kaufen, man sieht, dass sich die Kernkompetenzen verschieben. Denn im Prinzip will man sein soziales Netzwerk haben wie ein Haus. Viele kleine Zimmer, aber am besten unter einem Dach. Genau hier setzt auch Memolane an. Read more

80% Teeniefilme

Soeben habe ich auf “Look, Listen and Like” eine Infografik verlinkt. Ein kurzer Fact-Check reicht, um die Tendenz zu bestätigen: Sechs der Top 10 Filme des Jahres 2010 sind animiert (Toy Story 3, Alice im Wunderland, Shrek, der Drachenfilm, Tangled und Despicable Me). Das sind gleichzeitig auch sechs Kinderfilme. Zählt man Harry Potter und Twilight auch noch zu dieser Zielgruppe – sagen wir Teeniefilm – dann sind wir bei satten 80 Prozent. Ich hab mir mal die angeschaut, wie stark Kinder/Teeniefilme in den Top10 vertreten sind, als Quelle gilt immer Box Office Mojo: Read more

London 1

Nach einem Zweistunden-Flug kam ich an in London und damit in einem anderen Universum. Menschen, die per Fensterblick in Deinem Wohnzimmer stehen, der Anwalt von Banksy ist der Vater einer Ex-Freundin, der Chef-Designer von A.P.C. ist lose mit dem Freundeskreis verbunden, auf der Fashion Week sitzt man in der Front Row, die London School of Economics-Bibliothek hat 24 Stunden geöffnet, Charlie LeMindu gibt es per Handschlag und der Guardian kostet umgerechnet 1 Euro 10 Cent.

München wird grau. Die Farbe ist in mir.

Srsly#6 – Kai Diekmann

Vorneweg – ich halte Kai Diekmann für einen Brandstifter, der in Interviews immer wieder eine gute Figur macht, weil seine Methode zieht. Er stellt Behauptungen auf, auf die man erstmal reagieren können muss. Ein Beispiel: Im obigen Interview mit der Süddeutsche Zeitung sagt er, die Bild hat die Kunduz-Affäre aufgedeckt. Den Preis dafür gewonnen hat aber Stefan Kornelius (Nachtrag: Kornelius arbeitet für die SZ). Die beiden Investigativ-Journalisten Leyendecker und Serrao wissen das natürlich, also widersprechen sie ihm. Das hindert Diekmann nicht daran, auf seinem falschen Standpunkt zu beharren, denn in dem Spiegel-Interview von dieser Woche behauptet er es erneut – und kommt damit durch. Das ist ein guter Schachzug von Diekmann, der aber erwartbar gewesen ist, von daher ist es eher schade, dass hier nicht nachgehakt wurde. Aber wenn man dieses Hintergrundwissen hat, versteht man folgende Sätze besser. Read more

Erst türkisch, dann deutsch.

Der türkische Premier Erdoğan im Rahmen der CeBit eine Rede gehalten, in der er die türkischen Kinder dazu aufgefordert hat, erst türkisch und anschließend deutsch zu lernen. Die “Welt” konterte, in dem sie in ihrem Artikel ausschließlich konservative und liberale Politiker  zu Wort kommen lässt. Menschen wie Alexander Dobrindt behaupten, Erdoğan habe mit diesen Aussagen die Integrationsbemühungen “um Jahre zurückgeworfen”. Das ist jener Dobrindt, der vor einem halben Jahr davor warnte, dass die bald Minaretten in deutschen Gärten stehen werden. Jener Dobrindt, der sich dafür aussprach, Zuwanderung aus bestimmten (also muslimischen) Kulturkreisen zu beenden. Beide Forderungen sind Unsinn, wobei man Erdoğans Position wenigstens nachvollziehen kann, da sie sich nicht großartig von seiner letzten Rede unterscheidet. Dobrindt hingegen ist das Gegenteil von “Integrationsbemühungen”. Read more

Pew! Pew! Pew!

Ihr seid Blog-Leser, also gehe ich davon aus, dass ihr irgendeinen akamakadamischen Background habt, ich weiß nicht warum, das ist mein Vorurteil über Blogger. Also seid ihr mehrheitlich aus gebildetem Haus und hattet Öko-Eltern. Ihr hattet keinen Fernseher in eurem Zimmer, durftet nie die Fernbedienung halten oder euer Gesicht so fest an die Mattscheibe pressen, dass die Pixelflut zum frühkindlichen LSD-Trip mutierte. An Fasching kamt ihr als Toastbrot verkleidet, ihr schlaft heute noch mit Bibi Blocksberg-Tapes in euren Decks und zuckt mit den Schultern, wenn ich von Saber Riders oder den Kickers oder Worms 2 schwärme. Und doch haben wir was gemeinsam. Wir haben uns gnadenlos erschossen. Read more

Wie informiert ihr euch?

Ich habe in den letzten Tage meine Nachrichten-Feeds gelöscht. Ich las regelmäßig Zeit Online, Spiegel, Süddeutsche, Spiegel, Frankfurter Rundschau, FAZ und der Freitag bzw. die News aus dem Politik, und teilweise auch Wirtschaftsfeed, abonnierte ich, so dass ich wusste, was die Schlagzeilen waren, um bei Bedarf reinzulesen. Jetzt ist da nichts mehr. Seitdem habe ich nicht das Gefühl, das Wichtige zu verpassen, aber schon, gute Artikel zu versäumen. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber subjektiv gibt es dieses Gefühl. Darum ein kleiner Fragebogen: Wie informiert ihr euch? Alles straight unwissenschaftlich, vermutlich fehlen auch viele Fragen. Egal.

Hier ein paar vorformulierte Antworten. Welche treffen denn auf Euch zu?

1.) Ich habe Tageszeitungen abonniert. (eine oder mehrere)
2.) Ab und an kaufe ich mir Tageszeitungen.
3.) Ich kaufe mir Wochenzeitungen/Magazine (Spiegel, Stern, Die Zeit)
4.) Ich lese im Internet:
4a.) Einmal am Tag (Uhrzeit egal).
4b.) Mehrmals am Tag, immer ausschließlich auf einer Seite (z.B. immer und nur Zeit Online oder Bild.de).
4c.) Mehrmals am Tag, auf verschiedenen Seiten.
4d.) Immer.
5.) Ich komme zu den Nachrichten, in dem ich:
5a.) Die Suchbegriffe google
5b.) Per Google News
5c.) Ich surfe die Seiten direkt an.
6.) ich informiere mich über Twitter/Facebook.
6a.) Ich folge nur einem Nachrichten-Kanal auf Facebook. (nur Spiegel Online)
6b.) Ich folge mehreren Nachrichten-Kanälen auf Facebook.
6c.) Ich folge nur einem Nachrichten-Kanal auf Twitter.
6d.) Ich folge mehreren Nachrichten-Kanälen auf Twitter.
6e.) Wenn meine Followings/Freunde etwas verlinken, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass ich den Artikel anklicke.
7.) Ich nutze Flipboard/Paper.li
8.) Ich habe in meinem Feed-Reader Nachrichtenkanäle.
8a.) Eine Seite, gesamt
8b.) Eine Seite, Ressortweise (also nur SZ Politik und nicht sueddeutsche Gesamt)
8c.) Mehrere Seiten.
9.) Sonstiges, und zwar:

Danke.

Zeitfenster

Der Text aus dem Bild wurde Mitte Oktober geschrieben und ist das Fazit meines Exposés für die Doktorarbeit, an der ich gerade sitze. Heute ist mir während einer Diskussion aufgefallen, wie man die These weiterdenken könnte. Wenn ich mit der Einschätzung richtig liege, dass ein Medium gleichzeitig das Verhältnis an sich widerspiegelt – der Massenstreik also ein Zeichen davon ist, wie abhängig die Masse von der Gewerkschaft ist – dann heißt es auch, dass es einen Punkt geben muss, an dem sich dieses Verhältnis ergeben hat. Oder: Es gibt ein Zeitfenster des Umbruchs, in dem neu entstandene Medientypen nicht in einen Kontext eingebunden sind, weil noch keiner ahnen kann, was für Möglichkeiten bereitstehen. Read more

Das Ereignis killt den Führer.

Es gibt keine Gesichter mehr. Keine Fotos, keine Buttons, keine Kernfiguren, nichts. Am Ende bleibt nur die Masse, nur das Bild einer aus allen Nähten platzenden Straße. Ob diese Menschen virtuell sind oder real, das spielt keine Rolle. Noch ist es nicht durchgedrungen, noch postiert man Wael Ghonim an die Spitze einer Bewegung, noch präsentiert man Bouazizi als “Tipping Point” der tunesischen Revolution, aber so wie es jetzt aussieht, stirbt die Führungsfigur aus als Revolutions-Macher. Sie wird ersetzt durch den Impuls – der Macht des Moments. Read more

Geheimheiten.

Das Schlimme an Geheimhaltung ist, dass man in die Paranoia abstürzt. Man schaut sich seine Konkurrenten an, liest ihre Blogbeiträge und vermutet hinter jedem nebulös formulierten Halbsatz die eigene Idee. Aber trotzdem muss man warten, weil die Idee sich erst setzen muss, wie ein Teebeutel die acht Minuten im heißen Wasser ausharren muss, bevor man den unspannenden Rest ins Trockene werfen kann. Read more

Brennen können

Gestern habe ich mir Unlike U angeschaut, eine Dokumentation über das Trainwriting in Berlin. Mit mir im Saal saßen knapp 100 Menschen, hauptsächlich Graffiti-Writer. Uns hat genau eine Sache unterschieden: Sie ergötzten sich an den Sprayer-Legenden , ich fragte mich  hingegen, wie sehr man brennen muss, damit Leidenschaft nicht zu Kitsch verkommt. Read more

Rivva: Pause. Commentarist: Pause. Ich: Argh!

Auch wenn der Artikel es nicht so wirklich durchscheinen lässt, ich war sehr dankbar für Commentarist.  Eine Seite, die sich nur auf Kommentare fokussiert. Endlich konnte man einige Nachrichtenseiten aus seinem Feedreader löschen (die 1000+ nerven auf Dauer) und musste nicht mehr eine dpa-Meldung in 20 fast wortgleichen Versionen lesen. Endlich eine Möglichkeit, an einem zentralen Punkt, Journalisten, deren Texte man lesenswert findet, per Feed zu abonnieren. Endlich eine Seite mit allen Kommentaren von den wichtigsten Nachrichtenseiten. Und auch für Zeitungen: Endlich eine Möglichkeit, ohne nennenswerten Werbeaufwand neue Leser zu bekommen, auf einem Kanal, den sie selbst niemals erdenken könnten. Ist doch gut für alle, meint man. Seite heute ist klar: Das ist Wunschdenken, Commentarist muss zwangspausieren. Read more

Mehr als nur ein Arsch.

Ich mag dieses Bild nicht. Auch wenn ich mittlerweile selbst sage, dass man es immer schön simpel halten sollte. Aber die Einfachheit verzerrt. Du siehst das Bild, verstehst die Botschaft und lachst. Du denkst, das ist alles, dass es sich damit haben müsste, das Bild keinen weiteren Einfluss auf Dich haben wird. Du merkst gar nicht, dass dieses Bild zu Deiner Waffe wird und zu Deiner Ausrede, beides gleichzeitig. Read more

Die Philosophie schweigt

Es ist nicht neu, es zeigt sich jetzt nur in vollem Ausmaß. Die Philosophie schweigt. Nicht, dass sie leise wäre, sie posaunt ununterbrochen. Letztes Jahr tobte eine Diskussion in den Feuilletons über Sloterdijks Vorschlag einer Revolution der gebenden Hand, letzte Woche titelte die Zeit mit “Die neue Lust an Philosophie” und aus Frankreich knallt man Ohrfeige um Ohrfeige ins Gesicht der bürgerlichen Indifferenz. Aber ob die Revolution in Tunesien die erste Social Media-Revolution ist, diese Frage stellte nicht etwa Žižek – der sonst recht viel zum Thema Wikileaks zu sagen hat -, nicht Sloterdijk und auch sonst kein Philosoph, sondern Ethan Zuckerman, ein Journalist. “Payback” wurde von einem Journalisten geschrieben, eine historische Einordnung des Internets findet sich bei Mercedes Bunz, ebenfalls Journalistin. Hier schweigt die Philosophie. Das ist arm. Read more

Arcor und die Negerlein.

Vor knapp zwei Tagen hat mich Marco auf auf den hier aufmerksam gemacht. Den findet man nicht irgendwo, nein, der ist auf der Startseite von Arcor verlinkt. Im ersten Moment dachte ich mir, dass die Seite bestimmt gehackt wurde und Arcor  nicht ernsthaft so hart an der Grenze zur Totalverdummung entlanggeschrammt sein könnte. Aber mittlerweile sind drei Tage vergangen und die – Achtung, der Name sagt alles – “Funbox” ist immer noch online. Also gehe ich davon aus, dass Arcor a.) ein lausiges Seitencontrolling oder b.)  überhaupt kein Problem damit hat. Wir sehen also einen nackten Schwarzen mit – wie könnte es anders sein – Megapenis. Read more

1.000.000 Partys

Okay, Du bist also auf dieser Party. Es ist langweilig, das ist keine Wohnung, sondern ein Wachsfigurenkabinett, niemand bewegt sich. Die hübschen Leute sind in der Küche und werden dort extrem unsympathische Besserwisser, die alle zwei Sekunden per Zeigefinger die John-Lennon-Brille zurück aufs Nasenbein schieben,  aus den Boxen dröhnt die Top10 von “The Hype Machine”, die Badewanne ist pissgelb und bierleer, warum Du überhaupt noch hier bleibst ist eines der größten Rätsel des Universums. Als Du gehst, ist es fünf und der ganze nächste Tag ist jetzt schon im Arsch und das wegen einer schlechten Party und zuviel selbstgerechten Drinks mit einer 80/20-Mische. Aber hey, morgen wirst Du wieder unterwegs sein. Vielleicht wird’s ja diesmal besser.Mach Dir nichts vor, das wird es nicht. Aber vielleicht ja doch.  Also gehst Du los.  Read more

Aus den Interviews #8 – Sarrazin zu @kuebra

@kuebra kann man auf Twitter folgen, sie bringt in einer Tour kompetente Statements, ich empfehle euch wärmstens ihr Fremdwörterbuch. Gestern war Sarrazin im BBC-Programm “World have your say” zu Gast (hier die MP3). Kübra hat das zum Anlass genommen, angerufen und gefragt, wie sie damit umgehen solle, dass sie im Alltag diskriminiert werde, weil sie ein Kopftuch trage – Sarrazin hatte vorher verneint, dass Türken in besonderer Weise mit Rassismus konfrontiert sind. Hier ist Sarrazins Antwort. Read more

@Commentarist.

Das Wichtigste an einer Diskussion ist nicht, zu wissen, dass gerade eine Protestbewegung in Tunesien stattfindet, sondern wie man diese einordnet. Es geht also nicht um die Nachricht, nicht um das “Hast Du schon gehört?”, sondern um die Beurteilung der Ereignisse. Also, was für Auswirkungen hat Tunesien auf die “arabische Straße”, inwieweit spielte das “Socializing” eine Rolle bei den Protesten, und warum hat Europa eigentlich so lange still gehalten? Es geht um Meinungen und damit auch um eines der Kernstücke journalistischer Arbeit, das Einordnen von Ereignissen in den Gesamtkontext. Read more

Nazikommunistenschweine.

Nennen wir es das Hufeisen-Prinzip. Zwei Enden, eine Mitte. Die Enden, das sind die Ideologien, sprich Links- und Rechtsextremismus. Die Mitte, das ist der Wutbürger, also der Durchschnittsdeutsche. Die Idee dahinter ist simpel: Man sollte lieber nicht an den Enden rumgeistern, sondern in der Mitte bleiben, schließlich sagte das in ähnlicher Form bereits Aristoteles. Politische Debatten sind anscheinend nur dann zielführend, wenn man sich am Ende in der Mitte trifft, statt Argumenten wird einfach eine Position ausgefeilscht. Damit lässt sich jedes Problem lösen, zum Beispiel der Nahostkonflikt. Würden beide Seiten ein wenig von ihren Positionen abrücken und sich aufeinander zu-, sich also in Richtung Mitte bewegen. wäre der Konflikt lösbar.  Aber das Interessante am Hufeisen-Prinzip sind die Enden. Read more

Aus den Interviews #6

Luc Jochimsen: Natürlich kann man den iranischen Führern sagen: Leute, was macht ihr Entsetzliches, daß ihr als Staat das Mittel der Todesstrafe einsetzt, diese Verletzung jeglicher Rechtshumanität? Aber das Problem ist, da kann man ja nicht mehr nach Amerika gehen, da kann man mit keinem chinesischen Politiker reden. Wohin in der Welt kannst du da noch gehen? Read more

Happtischer

Als ich gerade dabei war, mir einen extrakräftigen “Tilsiter” in den Einkaufsrolly zu werfen, ertönte die leicht genervte Stimme der Kassiererin: “Liebe Kunden, bitte beachten Sie, dass ec-Kartenzahlungen innerhalb der nächsten fünf Minuten nicht möglich sind.” Also kaufte ich mir eine Zeitung. Und Schokolade. Und Chinaböller und was man sich noch so kauft, wenn die Augen unkontrolliert über die Regale wandern dürfen. Aus den fünf Minuten wurden am Ende 35. Und ich war die einzige Person, die es betroffen hat.  Alle anderen haben offensichtlich bar bezahlt. Read more

Schlechtes Kind

Hannah macht gerade eine Gastbeitrags-Reihe. Da werden Anekdoten erzählt. Ich habe mir gedacht, dass es aber zu scheiße wäre, nur eine Seite zu zeigen, darum zwei Geschichten. Einmal bei ihr, einmal hier. Hier bin ich das Arschlochkind.

Ich saß immer hinten im Bus. Hinten rechts, direkt unter den Nothämmern. Man konnte an der Spucklache immer ganz gut erkennen, wo Cağatay gegessen hatte, hinten links. Damals fuhren wir öfter mit dem Bus, vom Hauptbahnhof zur Silberhornstraße, mit der 58er-Linie Read more

Das “soziale Gedächtnis/Archiv”

Ich sitze derzeit an einem Artikel und im Zuge der Recherchen gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass die digitale Gesellschaft sich in zwei Richtungen entwickelt. Auf der einen Seite hat man das pure Marketing-Instrument, Seiten wie Foursquare, Roadify und Best Buy. Auf der anderen Seite haben wir den wissenstheoretischen Aspekt der ganzen Debatte, die zwangsläufig mit an die Oberfläche gespült wurde. Stichwort Privatsphäre, Stichwort Dezentralisierung im Netz. Der gemeinsame Nenner hier ist meiner Meinung nach das “Archiv”. Warum das so ist, will ich kurz begründen.

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Klaxons – Landmarks of Lunacy #FreeDownloads3

Die Klaxons haben eine neue EP rausgebracht, an dem sie drei Wochen gewerkelt haben. Finde ich persönlich die bessere Variante, drei Wochen einsperren, in den Fluss kommen, die Intensität als Song festhalten, Song raushauen. Da steckt weit mehr Charme drin als in einem Jahreswerk. Aber das nur nebenbei. Die Songs habe ich hier schonmal embedded, runterzuladen ist das ganze hier (Direktlink). Read more

Türkesein, unkritisch

In letzter Zeit führe ich viele Interviews, immer häufiger auch mit Türken. Normalerweise wäre das nicht weiter interessant  gewesen, aber mir ist was aufgefallen: Es gibt diesen einen Moment im Interview, in dem man versucht, der Situation an sich einen historischen Aspekt zu geben, warum bist Du so, wie Du bist, warum gehst Du das Thema auf diese spezielle Art und Weise an, was ist Dein Hintergrund?  Recht oft findet an dieser Stelle des Gesprächs bei Türken ein Rückgriff auf die Nationalität statt. “Ich bin so, weil meine Eltern Türken sind”, “Ich mache diese Kunst, weil ich zwischen zwei Identitäten schwanke”, “ich bin so, weil mich die rote Flagge schon damals verzaubert hat”, egal was, es ist oft die Rede von der eigenen Identität, die anscheinend nicht ohne Reisepass zu definieren ist. Das zeigt dann auch am deutlichsten, welche Rolle der Nationalismus im kulturellen Kontext der Türkei immer noch spielt. Read more

Freundschaft (Rap)

Die letzten paar Wochen bin ich im Rahmen eines Projektes der Stadt München, glaube ich, immer wieder nach Harthof gefahren. Ein paar Beats hatten wir, also Florence und ich, in der Tasche. Wir sind also ins Jugendzentrum und haben den Jugendlichen Musik vorgespielt, Instrumentale. Sie durften sich einen Beat auswählen und drauf schreiben. Keiner von ihnen hat davor gerappt. Also, wir haben quasi von Null angefangen. Im Wesentlichen sollte ich sie dabei unterstützen, sagen, wie man Reime aufbaut, wie man Zeilen schreibt, was gute Reime sind. Die Boys haben geschrieben (wir haben uns anfangs auch darum bemüht, dass wir Mädchen begeistern können, leider ist daraus nichts geworden), ich hab geholfen, vor zwei Wochen war dann alles so weit. Read more