“You have no subscriptions”

Ich habe alle meine Abonnements gelöscht. Insgesamt waren es 450; darunter Blogs, die pro Woche einen Artikel haben, aber auch Nachrichtenseiten, die auf ca. 200 in der Woche kommen und ebenfalls Aggregatoren, von denen der tüchtigste an die 180 Artikel pro Tag rausballert. Jetzt ist alles gekündigt, auch die guten Seiten. Und nein, ich fühle mich nicht “freier” und “genieße” jetzt die “Stille”. Das ist auch kein Experiment, ich schreibe kein Buch mit dem Titel “Nachrichten finden mich” – ich glaube nur, dass ich mich neu organisieren muss, das ist schon alles.
Irgendwann habe ich festgestellt, dass bei gefühlt 70% der Artikel auf Rivva, die mich interessieren (so gut wie alles, außer der SEO-Kram) unten mein Twiter-Profilbild zu sehen war, weil ich diesen Artikel verlinkt habe. Die restlichen 20% hatte ich im Feedreader, aber noch nicht gelesen, 10% waren mir gänzlich unbekannt – zumindest bis jetzt, denn: Ich packte sie in den Feedreader, normal. Wer das als Selbstbeweihräucherung liest, hat nicht verstanden, dass es eigentlich eine Bankrotterklärung ist. Wow, ich bin also so fest eingesessen in dieser Echokammer, dass ich über jeden eurer Streitigkeiten Bescheid weiß. Große Kunst, ehrlich.
Es gibt Bereiche, da will ich der erste sein, da nervt es mich, wenn ich eine Nachricht bringe, die alt ist. Und dadurch, dass ich in meiner Art, wie ich das alles um mich herum aufgebaut habe und konsumiere, immer wieder auf Redundanzen gestoßen bin, das neue Video von Jay-Z in zehn verschiedenen Blogs sah und dann noch mal bei Pretty Much Amazing drüber stolperte, habe ich einfach alles gekappt. Wenn ich erstmal angefangen hätte, zu überlegen, wen ich rausschmeißen soll, hätte ichs bei niemandem geschafft. Also gehen alle, keine halben Sachen. Kommen wir zum Grund.
Ganz ehrlich: Warum nicht? Warum sollte ich an meiner eigenen Gemütlichkeit festhalten? Ich weiß genau, dass ich die ganz großen Dinger nicht verpassen werde, ich bin einigermaßen gut organisiert und krieg das in meine Timeline gepostet (das ist Selbstbeweihräucherung). Ansonsten finde ich es bei Mediagazer. Den ganzen Kunstkrempel und die guten Videos kriege ich per Frequency und Stellar. Dass ich gleichzeitig ein Abo von Longreads habe und dann auch noch dem Twitter-Account folge, das ist dumm. Dass ich so vielen Seiten folge, die sich dann wieder aufeinander beziehen, ist ebenfalls dumm.
Womit wir zum eigentlichen Kern kommen. Ein paar Blogs liebe ich (aHeadwork, Kraftfuttermischwerk, Digitale Notizen, electru zum Beispiel), ein paar Blogs schätze ich wegen der Infos, die sie mir geben, das sind dann die Blogs auf Foreign Policy, bei Wired oder eben Netzpolitik, aber der Großteil der Blogs, die ich – und das ist kein Rant, das ist, ich wiederhole mich, Zeichen meiner eigenen Unfähigkeit – abonniert habe, sind einfach Seiten, die mir gutes Zeug liefern, das ich weiterverbloggen kann, Zeug, das mich up-to-date hält. Videos, Kunstwerke, Kram. Nett, aber scheiß drauf, ich kann mich ruhig auch anstrengen und andere Quellen finden. Dieses Blog-Abo (jetzt bei Seiten, die in erster Linie Videos/Kunstwerke posten) ist ja auch nur eine Entschuldigung dafür, dass man zwar gerne mitreden will, Hastduschongesehen-Style, aber selbst zu faul ist, irgendwie Zeit zu investieren. Kann man machen, nach zwei Jahren nervt es aber, 90% der Beiträge zu überspringen.
Solange es hier keinen Algorithmus gibt, der das regeln kann, der mir innerhalb meiner Abos anzeigt, wenn ich ein Video schon gesehen habe (und den entsprechenden Artikel rausfiltert), macht das keinen Sinn mehr. Ich mein, wie dumm muss man sein, um notcot und neatorama und The Presurfer gleichzeitig zu folgen?
Wenn ich Blogs abonniere, will ich den Kram lesen. Wenn ich Seiten abonniere, die viele Artikel rausballern (ich werde den 180er/Tag-Blog, heißt übrigens “The Hive” und findet sich beim Business Insider), dann muss ich da eine Grenze ziehen. Ich muss das gut organisiert kriegen, sinnvoll aufteilen. Die Ein-Mensch-Blogs in einen Topf, die Content-Maschinen in zwei, drei andere. Gibt es nämlich auch noch nicht automatisch, z.B. nach Klickzahlen organisiert. Das ist entweder ein Zeichen dafür, dass RSS an sich unnütz geworden ist oder aber, dass die App-Entwicklung den Kreativarm der Programmierer abgerissen hat. Wie auch immer. Jetzt fängt halt alles wieder von vorne an. Lesen, lesen, lesen statt weiterklicken, kenn ich schon und mir egal.
Meinen zu abonnieren reicht im Prinzip auch. :p