2 Kommentare

  1. Annina sagt:

    Ist nicht zu spät gewesen – ich habe das Gefühl, dass sich die Szene erstmal sammeln musste, um den kollektiven Schock zu verdauen, dass mensch da reingelegt wurde. Das mit dem über zwei Ecken kennen ist ein hehrer Vorsatz, leider aber tatsächlich nicht praktikabel, weil ich ja nicht sicher sein kann, dass Franz Hans wirklich kennt – ich erinnere an den Fall der vermissten Tochter, den ich auf Facebook ungefähr so gehandhabt habe; im Nachhinein hat sich rausgestellt, dass mein Franz den Hans (obwohl er nur eine Handvoll Freunde hatte) doch nicht kannte. Das mit der Expertise finde ich ebenfalls schwierig, denn es gibt ja Menschen, die aus guten Gründen ihre wahre Identität unter Verschluss halten möchten. Viel wichtiger als wasserdichte Verifizierungsprozesse ist daher meiner Meinung nach die Einsacht, dass es immer Deppen gibt, dass die unser internationales Online-Support-Verhalten aber keinesfalls künftig negativ beeinflussen dürfen.

  2. Hakan Tee sagt:

    HI Annina,

    dass es Deppen gibt, die manipulativ arbeiten: Keine Frage.

    Den Facebook-Fall habe ich ähnlich gehandhabt. Aber auch hier: Sobald eine kritische Masse erreicht wurde, ist das Ding sofort aufgeflogen. Menschen “kennen” Leute schon, wenn sie auf Facebook befreundet sind. Ist eine Dynamik, die man mit einplanen kann.

    Wobei Vermisstenfälle eine andere Liga sind (ebenso wie der Fall des unbekannten Bloggers während Kriegen usw.) Da gibt es wenig “Expertise”, richtig. Trotzdem würde ich das Konzept nicht fallen lassen. Wenn du ein Video aus Damaskus hast, dann brauchst du jemanden, der diesen Dialekt spricht, Leute, die schauen, ob die Schatten richtig fallen usw. Du brauchst aber auch immer Experten/Ortskundige, die dir sagen, ob das Geschriebene faktisch stimmt.

    Und ich würde sagen – immer unter Vorbehalt dessen, dass man im Nachhinein immer altklug daherreden kann -, dass man den Fall von Amina anders hätte lösen können. Es gab ja Journalisten, die instinktiv das erst einmal in Frage gestellt haben. Alleine kamen sie aber nicht weiter. Vielleicht ist die Lektion ja, dass man immer und direkt Menschen vor Ort mit einbeziehen muss und diese Quellen-Unsicherheit auch direkt mit kommunizieren muss.

    Da wird zusätzlicher Druck erzeugt und damit wird die Beweislast zuungunsten eines potentiell gefährlich lebenden Menschen ausgelegt. Noch ist das ziemlich unbefriedigend.

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