Schlechtes Kind

Hannah macht gerade eine Gastbeitrags-Reihe. Da werden Anekdoten erzählt. Ich habe mir gedacht, dass es aber zu scheiße wäre, nur eine Seite zu zeigen, darum zwei Geschichten. Einmal bei ihr, einmal hier. Hier bin ich das Arschlochkind.
Ich saß immer hinten im Bus. Hinten rechts, direkt unter den Nothämmern. Man konnte an der Spucklache immer ganz gut erkennen, wo Cağatay gegessen hatte, hinten links. Damals fuhren wir öfter mit dem Bus, vom Hauptbahnhof zur Silberhornstraße, mit der 58er-Linie. Das war zu der Zeit, als wir Löwenzahn in Zeitungspapier wickelten und dreimal tief inhalierten. Als ich jedes nur erdenkliche Spiel aus einer renommierten Buchhandlung geklaut und dann für einen Zehnmark-Schein, den ich in den seltensten Fällen dann auch tatsächlich zu Gesicht bekam, vertickt habe; vermutlich hat noch der halbe Jahrgang von damals Schulden bei mir. Auf Anhieb fallen mir David, Jakob und Toni ein. Damals, als mich der Lehrer watschte und sich kurze Zeit später entschuldigt hat. Ich hätte ihn anzeigen sollen, aber das hätte ihn womöglich seinen Job gekostet, was vermutlich richtig gewesen wäre, obwohl er an sich ein netter Mensch ist und man nur ungern Leben versaut, aber das trifft ja schließlich auf alles zu, also war es ein Fehler, ihn nicht anzuzeigen, so viel steht fest, jetzt im Nachhinein. Auf alle Fälle kamen wir uns mächtig wichtig vor, mit unserem dreckigen Geld, Cağatays Reichtum (ein McDonalds-Menü reichte uns als Zeichen des Wohlstandes) und den geklauten Nothämmern aus den Bussen.
Ich weiß gar nicht, wofür wir diese Hämmer gebraucht haben. Dass ich mich nie geprügelt habe, ändert nichts dran, dass ich mit einem Baseball-Schläger bewaffnet in die Schule kam, weil andere Typen jemandem, den ich nicht einmal kannte, die Nase blutig boxten. Ein Glück, dass sie am nächsten Tag nicht aufgekreuzt sind, denn diese Jungs waren wirklich bewaffnet, die haben sich auch geprügelt, richtig mit der Faust ins Gesicht, zwei, dreimal, bis das Blut an den Knöcheln zu Kleben begann. Ich glaube, die sind auch heute noch bewaffnet. Mein Glück also.
Beim Klauen wurde ich irgendwann erwischt und die Nothämmer schmiss ich weg. Irgendwann fuhren dann auch keine Busse mehr, in denen noch Nothämmer vorhanden waren, die Busfahrer hatten dann auch immer ein Auge auf der Straße und zwei auf uns. Seitdem sitze ich im Bus etwas weiter vorne.
*g sind auf jeden fall mal süße locken ;).