Wenn man ins Fitness-Studio geht, gibt es einen Punkt, an dem man nicht mehr weiterkommt. Bevor man an diesem Punkt ist, muss man jede Menge Zeit investiert haben und diszipliniert gewesen sein. Man muss drei-, viermal die Woche ins Studio gegangen sein, man muss Gewichte gestemmt haben, dass man – zu Beginn – am nächsten Tag das Gefühl hatte, gleich zerreißt es einem die Muskelfasern, gleich macht es ratsch und dann ragen ein paar saftige Fasern aus der Haut, ein bisschen wie Hühnerbrust. Man muss immer ein wenig nach dem “Mehr” gelechzt haben, jedes Training eine Schippe draufgelegt haben, mal eine Wiederholung mehr, mal 2,5kg mehr Gewicht, beim letzten Bankdrücker weniger Hilfe in Anspruch genommen haben von seinem Trainingspartner. Man muss seine Ernährung umgestellt haben: Magerquark-Bottiche, essen mit Nase zu, in sich reinschaufeln. Man fängt an, Nahrung nicht mehr nach Genuss, sondern nach Eiweiß und Kohlenhydraten auszusuchen. Man trinkt nicht mehr, man sieht alles durch seinen Körper. Eine Stunde joggen, damit man einen Schokoriegel wieder wegtrainiert hat? Fickt euch, ich esse nichts.
All das hat man gemacht, mal länger, mal weniger, mindestens jedoch ein Dreivierteljahr. Dann kommt der Punkt. Man kommt nicht weiter, man stagniert. Es gibt kein Erfolgserlebnis mehr, egal, wie fest man drückt, wie sehr man seinen Trainingsplan umstellt, die Gewichte bleiben gleich, die Muskel werden nicht größer, man selbst nicht leistungsfähiger, nicht schneller, nicht agiler. Man bleibt, wer man ist.
An diesem Punkt nehmen Fitnessmenschen (nicht alle, die, die ich kenne und die auch einigermaßen wie Muskelberge aussahen), Creatin. Was genau passiert, weiß ich nicht, irgendwas mit Wasserspeicher, kurzzeitig mehr Kraft, mehr Ausdauer, mehr Leistungsfähigkeit, einfach mehr. Wie, wenn man auf seinem Stuhl sitzt, den Lichtschalter erreichen will und man kommt näher, immer näher, aber man erreicht den Schalter trotzdem nicht. Man streckt sich und der Abstand verringert sich, der Stuhl ist schon in der Kippe, gleich reißt der Kontakt zum Schreibtisch ab und man fällt vollends auf die Schnauze, doch egal, wie sehr man sich streckt, man weiß, es wird nicht reichen. Creatin ist hier der Nagel am kleinen Finger, den man sich nicht geschnitten hat für zwei Monate und der deswegen zusätzliche drei Centimeter bringt. Mit dem man den Schalter erreicht. Sein Ziel erreicht. Weiterkommt.
Aber Freundschaften bestehen ja nicht aus Muskelspielen.